Berlin : Die Wirte sind enttäuscht, die Bäderbetriebe zufrieden

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FANMEILE

Der Senat wollte die Besucherzahlen erst nach dem gestrigen WM-Finale auswerten. Insgesamt dürften es mehr als acht Millionen Besucher gewesen sein – mit so vielen hatte niemand gerechnet.

HOTELS

Die hohen Erwartungen haben sich nicht erfüllt. Erst seit Freitag sind Hotels und Pensionen mit 90 Prozent ausgelastet, zuvor betrug die durchschnittliche Auslastung zwischen 60 und 65 Prozent – weniger als zu normalen Zeiten. Das Tagungs- und Kongressgeschäft, das während der Monate Juni und Juli sonst viel Gäste brachte, fiel fast aus. Die Hotels hoffen nun auf das nächste Jahr, wie Willy Weiland, Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes, sagt. Denn die WM sei „verdammt gute Werbung“ für Berlin gewesen.

GASTSTÄTTEN

Die Bilanz ist durchwachsen. Die Fanmeile und ihre nähere Umgebung habe für die dortige Gastronomie „extrem gute Umsätze“ gebracht, sagt Klaus- Dieter-Richter, stellvertretender Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes. Sonst sei es „sehr, sehr schlecht gelaufen“. Viele Betriebe hätten wegen der WM investiert, etwa in neue Fernseher, doch die Umsätze seien zwischen 10 und 30 Prozent zurückgegangen. Das Public Viewing habe die Leute aus den Speiserestaurants gezogen. Auch hätten Gaststätten den normalen Reisebus-Tourismus vermisst. Viele Busunternehmer hätten Berlin gar nicht angefahren, weil sie glaubten, die Stadt sei schon voll. „Wir hoffen, dass die Touristen nach der WM zurückkommen.“

HANDEL

Für die Mehrzahl der Händler waren die WM und die verlängerten Öffnungszeiten kein wirtschaftlicher Erfolg. Das Sommerwetter und die große Anziehungskraft des Public Viewings hätten sich gerade an den Spieltagen der deutschen Elf besonders negativ für den Einzelhandel ausgewirkt, sagt Verbandssprecher Nils Busch-Petersen. Höhere Umsätze seien nur an einzelnen „punktuellen Standorten“ und vor allem von großen Unternehmen verzeichnet worden: Etwa am Kurfürstendamm, am Alexander- und am Potsdamer Platz.

VERKEHR

Die WM hat der BVG und der S-Bahn sowie der Bahn erheblich mehr Fahrgäste gebracht. Mehr Geld bleibt dadurch aber nicht in den Kassen, denn die zusätzlichen Einnahmen haben nur ungefähr die Kosten des Mehraufwands gedeckt. Die S-Bahn zählte insgesamt sieben Millionen Fahrten mehr; normal sind es bei ihr täglich etwa 1,2 Millionen. Bei der BVG waren es täglich 155 000 mehr Fahrten. Die Bahn zählte im Fern- und Regionalverkehr über 800 000 WM-Fahrgäste. Sie hatte 40 Sonderzüge im Fernverkehr eingesetzt. Dagegen ging der Autoverkehr in der Stadt um fünf Prozent zurück. Im Flugverkehr wird am heutigen Montag mit einem Rekordandrang vor allem in Tegel gerechnet. Erfreulich: Die Zahl der Vandalismusschäden ist nach BVG-Angaben während der WM stark zurückgegangen.

POLIZEI-EINSÄTZE

Zwischen 1200 und gut 6000 Polizisten waren täglich im Einsatz. Bis auf die Amokfahrt eines Geistesgestörten auf die Fanmeile am Brandenburger Tor gab es keine relevanten Zwischenfälle. Insgesamt stieg die Zahl der Straftaten und Notrufe um etwa zehn Prozent – weil wesentlich mehr Menschen in der Stadt waren. Die befürchteten Schlägereien zwischen Hooligans blieben völlig aus. Die Zahl der Taschendiebstähle stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 500 auf etwa 1800. Dafür sank die Zahl der Kfz-Diebstähle erheblich.

KULTUR

Die WM hat den Museen, Theatern und Kinos der Stadt nicht gut getan. Aber das lag auch am sonnigen Wetter. Schon zur Halbzeit der WM klagten große Kinoketten über drastischen Besucherschwund. Die Neuen Kant-Kinos meldeten beispielsweise vor dem Wochenende, dass sie am Sonnabend und Sonntag geschlossen seien und sich „damit dem großen Ansturm der beiden letzten Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft beugen“. Die Museen verbuchten zum Teil drastische Besucherrückgänge. Das Ende der WM wurde hier geradezu herbeigesehnt.

BÄDER

WM und schönes Wetter: Die Berliner Bäderbetriebe konnten mit den Besucherzahlen der Frei- und Sommerbäder zufrieden sein. Tagesergebnis letzte Woche: rund 50 000 Gäste, darunter auch WM-Touristen. Die Zahlen des „Jahrhundert-Sommers“ 2003 werden vermutlich übertroffen. Da machte es nichts, dass sich die Bäder leerten, wenn wichtige Spiele waren. Bäderchef Klaus Lipinsky rechnet schon mit 2,5 Millionen Besuchern (im Vorjahr knapp über 1,5 Millionen).

STADTREINIGUNG

Einen Juni-Rekord meldet die Berliner Stadtreinigung: Über 6800 Tonnen Müll beseitigten die Männer in Orange – 1000 Tonnen mehr als im gleichen Monat des Vorjahres. Die BSR war darauf vorbereitet und bilanziert gelassen: „Es war weniger Kehricht als befürchtet“, sagt Sprecherin Sabine Thümler. Bei den letzten Spielen waren erneut 300 Mann und 80 Fahrzeuge im Einsatz. BSR-Chefin Vera Gäde-Butzlaff: „In den Stadien haben wir schon während der Spiele Müll eingesammelt.“ Natürlich rackerten die BSR-Männer auch nach den Begegnungen, zum Teil in Nachtschichten ab 23 Uhr. Deshalb waren schon am nächsten Morgen in den Straßen von Berlin alle Spuren der rauschenden Feste der Fans beseitigt.

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