Die WM in Berlin : Finale unter Freunden

Viele Fußballfans haben sich verabredet, um das WM-Endspiel am Sonntagabend zu sehen. Die Botschaften Japans und der USA laden gemeinsam zum Public Viewing ein.

von und Manuel Opitz
Stars and Stripes. So geschminkt wie diese Fußballfreundin, die das Spiel ihrer Mannschaft in Wolfsburg verfolgte, muss man bei den öffentlichen Partys am Sonntag nicht unbedingt erscheinen. Aber ein bisschen Begeisterung kann nicht schaden.
Stars and Stripes. So geschminkt wie diese Fußballfreundin, die das Spiel ihrer Mannschaft in Wolfsburg verfolgte, muss man bei...Foto: dpa

„Ich war nicht unbedingt ein Fußballfan“, sagt Yuki Yamano. Aber seit die 49-jährige Japanerin mit Wahlheimat in Wilmersdorf die vergangenen beiden Spiele ihrer Frauenfußballnationalmannschaft gesehen hat, „bin ich total begeistert“. Zum Endspiel der Japanerinnen gegen die USA am Sonntag will sie Freunde zu sich nach Hause einladen, kochen, und natürlich Fußball gucken. Viele der rund 2500 Japaner in Berlin freuen sich, das ihre Mannschaft der große Favorit der Frauenfußball-WM geworden ist. Zum Finale gibt es viele Orte, die zum Public Viewing einladen – mit Vertretern aus Fanlagern beider Seiten.

In Potsdam werden einige Frauen besonders aufmerksam die Übertragungen ansehen. „Einige unserer Nationalspielerinnen kommen ja vom FFC Turbine Potsdam, und sie wohnen ziemlich dicht beieinander, so treffen sie sich sicher zum Fußballgucken“, sagt Turbine-Trainer Bernd Schröder. Eine aus dem brandenburgischen Verein kann ja doch noch Weltmeisterin werden: Yuki Nagasoto, die beim WM-Finale für Japan aufläuft, kickt sonst bei Turbine. „Yuki hatte am Freitag Geburtstag, da haben wir sie angerufen und ihr übers Handy ein Geburtstagsständchen gesungen“, sagt Schröder.

Am Sonntag wird es jetzt aber wieder ernst auf dem Platz, auch für die US-Spielerinnen. Für Jason Verrett war das Ganze erst Liebe auf den zweiten Blick. Normalerweise ist Frauenfußball kein Thema für ihn, sagt Verrett, doch auf das WM-Finale am Sonntag der Amerikaner freut er sich schon. „Ich bin wahnsinnig stolz auf die amerikanischen Frauen“, sagte er. „Dass sie so weit kommen, hätte ich nicht gedacht.“ Vom Sieg des US-Teams ist er fest überzeugt. Am Sonntag gibt der in Zehlendorf wohnende 43-Jährige eine kleine Party. „Mit Hähnchen, Spare-Ribs, Potato-Chips, Cola, Bier und Salat.“

Wie er wollen auch viele der 12 700 Amerikaner in der Stadt das Spiel gucken. Zum gemeinsamen Public Viewing laden japanische und amerikanische Botschaften ins Lido in die Kreuzberger Cuvrystraße. Da treffen sich Fußballfans schon seit Beginn des Turniers im „11 Freundinnen WM-Quartier“, das auch vom Tagesspiegel unterstützt wird. In dem großen Saal und im Biergarten finden bis zu 700 Fans Platz. Einlass ist ab 19.30 Uhr, die ersten 20 Gäste erhalten ein kleines Überraschungspräsent. Willkommen sind natürlich auch Fans aller anderen Nationen – Anpfiff ist um 20.45 Uhr. Die Mitarbeiter der japanischen diplomatischen Vertretung in Berlin wollen auch eine große Flagge aus der Botschaft mit ins Lido bringen.

Wer das WM-Finale mit amerikanischem Flair erleben möchte, für den übertragen zahlreiche Diners das Spiel. Hamburger, Sandwiches, Spare-Ribs, amerikanische Pizzen und Milkshakes gibt es etwa in „Andy’s Diner“ in der Karl-Liebknecht-Straße in Mitte. Über eine große Leinwand und vier Bildschirme können die Gäste das Spiel von jedem Platz aus verfolgen. Auch „Sam Kullman’s Diner“ in Westend, die Sportsbar „Play Off“ im Ostbahnhof in Friedrichshain und „Sixties Diner“ in Zehlendorf übertragen das Finale. In Letzterem arbeiten hinter der Bar, in der Küche und als Bedienung zahlreiche Amerikaner.

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