Berlin : Die zehn sind kein Problem

Von null Sport zum Jogging-Fan: Teilnehmer des Tagesspiegel-Lauftreffs haben es geschafft – und machen mit bei den „Grand 10 Berlin“

Friedhard Teuffel

Der 41-Jährige, der am Freitagmittag einen Bus entführt hatte, wurde gestern in die Psychiatrie eingewiesen. Er hatte, wie berichtet, in Spandau einen Busfahrer mit einem Messer bedroht und die Fahrt Richtung Usedom erzwungen. Bereits nach einer Viertelstunde konnte er aber festgenommen worden.

Mittlerweile vergeht kein Tag ohne Angriffe auf Fahrzeuge oder Personal der BVG. Am Freitagnachmittag wurde ein 54-jähriger Busfahrer in Neukölln am S-Bahnhof Sonnenallee von einem 22-Jährigen beschimpft und bespuckt, weil der Fahrer nach dem Fahrschein gefragt hatte. Als zwei Wachleute eingriffen, wurden sie von den Freunden des arabischstämmigen Mannes attackiert und geschlagen. Der 22-Jährige, er lebt hier mit ungeklärter Staatsangehörigkeit, wurde festgenommen, die anderen flüchteten. In Marzahn haben unbekannte Jugendliche am Freitagabend in zwei Straßenbahnen zwölf Scheiben zerstört. Ha

Von null auf zehn – das hatten sich im Mai 150 Tagesspiegel-Leser vorgenommen. Die Teilnehmer einte eines: Sie hatten das Laufen früher nicht als Sport betrieben. Während ihres neu begonnenen Trainings gab es ein Ziel: So fit werden, dass sie ohne Mühe zehn Kilometer am Stück joggen und das auch noch bei einem Wettkampf zeigen können. Der Tagesspiegel-Lauftreff wollte ihnen dabei helfen, Laufen zu einem gesunden Erlebnis werden zu lassen und die Motivation nicht zu verlieren. Seit Ende Mai trainierte der Lauftreff daher unter Anleitung von Trainern des Aspria Spa und Sporting Clubs und mit Beratern der Charité-Sportmedizin. Treffpunkt war jeden Mittwoch im Olympiastadion. Am heutigen Sonntag kommt es nun zur Umsetzung des Vorhabens. Bei den „Grand 10 Berlin“ laufen mehr als 6000 Sportler durch die Stadt, und die Teilnehmer des Tagesspiegel-Lauftreffs werden dabei sein. Sie erzählen, was sie laufend erlebt haben.

Kai Crispien, 44: „Vorher bin ich nur als Autodidakt gelaufen, aber im Lauftreff habe ich noch einmal neue Motivation gefunden durch die Regelmäßigkeit und das Training in der Gruppe. Und dazu noch die erhebende Kulisse des Olympiastadions! Ich registriere auch wirklich die Fortschritte. Inzwischen kann ich zehn Kilometer locker durchlaufen, das war im Frühjahr noch nicht so selbstverständlich. Da habe ich erst einmal mit fünf Minuten am Stück angefangen. Bei mir hat sich auch eine richtige Lauffreundschaft ergeben. Wir treffen uns auch außerhalb des Lauftreffs und laufen zusammen am Schlachtensee oder im Volkspark Schöneberg.“

Heike Winter, 40: „Sport habe ich immer gemacht, gelaufen bin ich nie. Die Begeisterung kam bei mir wie bei vielen anderen auch an der Marathonstrecke. Diese Ausdauer der Läufer – das fand ich bewundernswert. Deswegen wollte ich es auch mal ausprobieren. Am Anfang sind wir nur drei Kilometer gelaufen, und ich konnte gar nicht glauben, dass wir nach diesem halben Jahr zehn Kilometer am Stück schaffen würden. Aber die Art des Trainings mit Gymnastik und in der Gruppe war sehr abwechslungsreich und kurzweilig. Am Sonntag die zehn Kilometer in einer Stunde zu schaffen, wäre eine tolle Sache, aber am wichtigsten ist es mir, überhaupt anzukommen.“



Dieter Zilkenat, 65:
„Nach meinem Herzinfarkt vor drei Jahren habe ich meinen Hausarzt gefragt: Kann ich denn auch Sport machen? Der sagte: Können? Sie sollten unbedingt Sport machen! Und mein Kardiologe sagte mir: Laufen ist gut, aber bitte nicht verrückt spielen! Der Lauftreff hatte für mich die richtige Methode. Ich komme zwar beim Laufen etwas schwer in die Gänge, aber nach zwei Kilometern geht es dann auf einmal besser, und die nächsten sieben, acht Kilometer halte ich ganz gut durch. Für den Lauf am Sonntag sehe ich für mich daher überhaupt keine Probleme.“

Axel Kern, 57: „Der Lauftreff ist eine sehr nette Art, diesen Sport zu betreiben, mit entspannter und lustiger Atmosphäre. Wenn man den Empfehlungen der Trainer folgt, kann man die zehn Kilometer wirklich gut schaffen. Das viel zitierte Gefühl, wenn Endorphine ausgeschüttet werden, hatte ich zwar noch nicht, aber ich fühle mich nach jedem Training wohler. Zweimal hat es im letzten halben Jahr bei den Lauftreffs in Strömen geregnet. Das war mir egal – hingegangen bin ich trotzdem.“

Man kann sich heute auch noch kurzfristig bis 11 Uhr am Start vor dem Schloss Charlottenburg für die „Grand 10 Berlin“ anmelden. Das Rennen beginnt um 12.30. Das bringt leider für Autofahrer Behinderungen mit sich: Zwischen 12 und 14 Uhr ist die Lauf-Strecke vom Schloss Charlottenburg über Ernst-Reuter-Platz, Straße des 17. Juni bis zur Siegessäule, Hofjägerallee, Budapester Straße, Kantstraße, Windscheidstraße bis hin zum Sophie-Charlotte-Platz zurück zum Schloss gesperrt

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