Berlin : Die Zeit des Gebens

Der Ramadan endet. Es wurde gefastet und gespendet. Für Gläubige war das der wichtigste Teil des Jahres

Hannes Heine

Wenn heute der Ramadan mit dem Zuckerfest zu Ende geht, hat Chaban Salih ein paar anstrengende Wochen hinter sich. Der Vorsitzende des muslimischen Vereins Inssan hat viel für sein wichtigstes Projekt getan: In der Neuköllner Pflügerstraße will Salih eine Moschee bauen lassen – gegen massiven Widerstand der Baustadträtin des Bezirks, Stefanie Vogelsang (CDU), und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die dem Verein Kontakte zu islamistischen Gruppierungen nachsagen (wir berichteten).

Besonders lange unterwegs war Salih vergangenen Donnerstag, in der „Nacht der Bestimmung“, der heiligsten Nacht des Fastenmonats Ramadan. Da zog er durch die Berliner Moscheen, um Spenden für den Neubau in Neukölln zu sammeln. Die „Nacht der Bestimmung“ ist im Islam von großer Bedeutung. Der Prophet Mohammed hat in dieser Nacht die göttliche Offenbarung erhalten. Tausende Muslime versammeln sich deshalb bei Sonnenuntergang zum Beten. Allah, so heißt es, wird denjenigen ihre Sünden vergeben, die in dieser Nacht Gutes tun – zum Beispiel Geld für einen guten Zweck spenden. Und davon wollte auch Inssan profitieren, denn die geplante Moschee soll durch Spenden finanziert werden. Etwa 4000 Euro, so hoffte Salih, sollten an diesem Abend im „Interkulturellen Zentrum“ in der Drontheimer Straße in Wedding zusammenkommen.

Im vierten Stock des alten Bürogebäudes riecht es nach süßen Backwaren, die Wände sind mit Schnitzereien verziert, die gesamte Etage ist mit Teppich ausgelegt. Viele der betenden Männer blieben bis zum Morgengrauen. Der Imam sprach zu den fast 500 dicht gedrängten Zuhörern. „Seid nicht geringschätzig, seid nicht geizig“, hallte es in Arabisch aus Lautsprechern. Salih suchte jemanden, der übersetzt, denn der Sohn eines Ägypters und einer Deutschen versteht kein Arabisch. Später gingen Sammler durch die Reihen der knienden Männer, mehr als 6000 Euro, ein paar US-Dollar und drei Goldringe kommen zusammen. Die „Nacht der Bestimmung“ ist den Muslimen etwas wert. Für gläubige Muslime sei sie so wichtig wie Weihnachten für die Christen, erklären Anwesende.

Etwa sechs Millionen Euro wird Inssan insgesamt für den Moscheenneubau brauchen. „Wir sagen offen, dass wir auch Geld aus Dubai bekommen“, sagt Salih. Fundamentalistisch sei der Verein aber nicht. Das sieht der Verfassungsschutz anders: Inssan unterhalte Kontakte zur Muslimbruderschaft. Salih weist die Vorwürfe zurück: „Wir haben viel für das Miteinander von Muslimen und Nichtmuslimen getan.“

Dass die Frauen an diesem Abend von den Männern getrennt beteten, habe auch praktische Gründe: Durch die religiöse Ergriffenheit beim gemeinsamen Beten werde es sehr emotional, vor dem anderen Geschlecht könne man aber seine Gefühle schlecht zeigen. „Nachts um zwei Uhr heulen hier die stärksten Männer“, sagt Salih.

0 Kommentare

Neuester Kommentar