Berlin : Die Zeit für das Riesenrad am Zoo läuft ab

Investoren erwägen Rückzug, falls die Verwaltung nicht bald über den Standort entscheidet

Stefan Jacobs

Die Investoren des geplanten Riesenrades am Zoo erwägen ihren Rückzug, falls die Berliner Verwaltung nicht bald über das Projekt entscheidet. Michael Waiser, Geschäftsführer der World Wheel Berlin Holding, fürchtet, dass demnächst Fußball-WM, Wahlkampf und die Neubesetzung von Posten „die Politik maßgeblich lähmen“ könnten. Die Geldgeber seien nach wie vor an dem 70-Millionen-Euro- Projekt interessiert, aber es sei „wahnsinnig schwer, ausländische Investoren bei Laune zu halten“ und ihnen zu erklären, warum ihnen in Berlin nicht „der rote Teppich ausgerollt“ werde, sagte Waiser. „Zunächst mal ist zu klären, ob wir das Grundstück kaufen können. Ich glaube nicht, dass wir bis zum nächsten Jahr warten werden.“ Auch sei es „kein Geheimnis, dass auch andere internationale Metropolen wie Shanghai und Dubai gern solch ein Riesenrad hätten – und dass bürokratische Entscheidungen dort schneller fallen als in Deutschland und speziell in Berlin“.

Das Rad, das mit 180 Metern Höhe noch größer wäre als das „London Eye“, soll auf dem Wirtschaftshof des Zoos nördlich der Bahntrasse entstehen – in Nachbarschaft zu Technischer Universität und Busbahnhof. Zoodirektor Jürgen Lange befürwortet das Projekt und wartet nach eigener Aussage auf eine Auskunft der Finanzverwaltung, was mit den 22 Millionen Euro Kaufpreis für das Grundstück geschehen soll: Bis zu 14 Millionen würden für einen neuen Wirtschaftshof gebraucht. Lange hofft aber, dass der Zoo die ganze Summe erhält.

Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) steht nach Angaben ihrer Sprecherin Petra Rohland weiter hinter dem Projekt. „Wir gehen nach wie vor davon aus, dass Berlin so ein Riesenrad vertragen könnte“, heißt es – und dass der Zeitdruck „erkannt“ sei. Auf einen Termin will sich die Verwaltung aber nicht festlegen, zumal an der Planung eines so großen Projektes viele Stellen beteiligt seien. Geklärt werden müssten Fragen von der optischen Einpassung ins Stadtbild bis zum Parkplatz. Sollte sich der Standort am Zoo als ungeeignet erweisen, könne auch ein anderer Ort gefunden werden; schon jetzt würden mehrere geprüft.

„Man könnte auch sagen: Aller guten Dinge sind drei“, sagt Waiser in Anspielung auf zunächst gescheiterte Anläufe am Gleisdreieck und am Tempodrom. Gegen den Standort am Gleisdreieck hatten nicht nur Bezirksamt und Nachbarn Einwände, sondern auch ein finanzstarker Freund des nahen Technikmuseums. Der „tolle Mäzen“ (Waiser) hatte dem Museum schon vor zwei Jahren einen Millionenbetrag in Aussicht gestellt, um das Riesenrad zu verhindern. Inzwischen sind die Pläne an diesem Ort vom Tisch – und das Museum wartet weiter auf das so oder so zugesagte Geld.

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