Berlin : Die Zukunft des Berliner Traditionsunternehmens ist ungewiss

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Die Ladenkette "Electronic von A-Z" musste Konkurs anmelden. Die Zukunft des Berliner Traditionsunternehmens mit mittlerweile 23 Filialen ist ungewiss; fast 400 Angestellten droht die Arbeitslosigkeit. Ein Konkursverwalter sucht jetzt einen Käufer oder Investor, der das überschuldete Unternehmen übernimmt. Der Alleininhaber von A-Z, Peter Bartelt, erhob gestern schwere Vorwürfe: "Die Berliner Bank hat uns kaputtgekriegt", sagt Bartelt. "Denen sind die Arbeitsplätze völlig egal."

Bis 1996 sei es der Firma gut gegangen, sagt Geschäftsführerin Ilona Reulecke. Nachdem im Juni diesen Jahres die Situation brenzlig geworden war, hat Bartelt den fünf Banken, mit denen A-Z zusammenarbeitet, einen Vorschlag gemacht, wie der Firma geholfen werden könne. Dieser Bitte um Zinssenkung hätten am 9. Juli 1999 die Direktoren aller fünf Banken zugestimmt - bis eine Woche später die Geschäftsleitung der Berliner Bank ihre Direktoren zurückgepfiffen und das schon unterschriebene Sanierungskonzept blockiert habe, wie Bartelt behauptet. "Das waren persönliche Gründe", glaubt Bartelt.

Nach dem Ausstieg der Berliner Bank zog auch die Deutsche Bank ihre Kredite zurück. A-Z war pleite. Nur der Laden "Atzert" in der Kleiststraße, der auch Bartelt gehört, ist nicht betroffen. Die Berliner Bank widerspricht der Behauptung Bartelts, dass "persönliche Gründe ausschlaggebend" waren. "Das ist haltlos", sagt Frank Weidner, der Sprecher des Unternehmens. Zu den finanziellen Details will sich das Institut wegen des Bankgeheimnisses nicht äußern.

Bartelt ist sich sicher, dass er sein Unternehmen trotz der Schwierigkeiten hätte halten können. Derzeit sei er mit einer Million Mark überschuldet - zwei Millionen lägen dagegen auf dem Konto. Insgesamt hat A-Z 30 Millionen Mark Schulden wegen der Expansion in die Neuen Bundesländer nach der Wende. Zum Beispiel war für sechs Millionen Mark ein Zentrallager bei Werneuchen gebaut worden.

Die Beschäftigten haben nun auf eigene Faust in einem Brief an den Senat um Hilfe gebeten. Der Chef findet das gut. Schon seit zwei Jahren verzichten die Angestellten auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Nach Angaben Bartelts sind 80 Prozent der Angestellten seit zehn Jahren dabei, viele hätten früher schon beim 1932 in Berlin gegründeten Vorgänger "Atzert" gearbeitet, wo auch Bartelt vor über 40 Jahren gelernt hatte. Das Betriebsklima sei hervorragend, sagt der Chef. Zum 1. September sollten neun neue Azubis anfangen.

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