Berlin : Die Zusammenarbeit beider Länder ist immer wieder mit Misstönen verbunden

Mit dem Argument, die deutsche Hauptstadt erdrücke mit ihren Interessen das Umland, arbeiten Brandenburger Entscheider auch im audiovisuellen Bereich: Als der Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg (ORB) Ende des vorigen Jahres aus der Hörfunkkooperation mit dem Sender Freies Berlin (SFB) ausstieg, war aus Potsdam zu hören, das gemeinsame "Inforadio" bearbeite vor allem bundespolitische Themen aus dem Berliner Regierungsviertel. So wichtig das Programm auch sei, ein originär brandenburgisches Bedürfnis werde damit aber nicht befriedigt - so wurde der Ausstieg begründet.

Ähnlich argumentiert wird im Kulturbereich. Hier verteidigt der ORB zäh Brandenburger Interessen, möchte lieber Konzerte und Inszenierungen aus dem Flächenland übertragen als gemeinsam allein mit dem SFB ein metropolengeprägtes Kulturradioprogramm zu verbreiten. ORB-Intendant Rosenbauer würde dieses Feld lieber gemeinsam mit dem Flächensender NDR (und dem SFB) bestellen.

Mit Haken und Ösen arbeiten indessen nicht nur die Landesrundfunkanstalten der Hauptstadtregion. Zu den Dauerbrennern in der Auseinandersetzung zwischen Stadt und Land gehören auch andere Prestigeobjekte: Die Finanzierung der Berliner Mediathek im Sony-Center - ein Programmgeschichtsmuseum am Potsdamer Platz - stellt Brandenburg derzeit mit dem Hinweis infrage, dass über die gemeinsame Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) bereits der Offene Kanal in Berlin finanziert werde, der 1,8 Millionen Mark im Jahr kostet.

Auf einen gemeinsamen Medienbeauftragten haben sich die Kanzleien der Ministerpräsidenten offenbar auch noch nicht einigen können: Die Angst ist groß, dass der neue Mann - womöglich mit großen Kompetenzen ausgestattet - das ehemalige DDR-Fernsehgelände in Adlershof stärker mit Investoren versorgen könnte als die Babelsberger Film- und Fernsehstudios. Oder umgekehrt. In allen Fällen wird - mit Hinweis auf unterschiedliche Bedürfnisse - ums Geld gerungen.

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