Berlin : Die Zwei von der Rampe

Berlin hat jetzt eine Skater-Halle mit einer riesigen Halfpipe – und das skatende Gründer-Team will bald Sportkaufleute ausbilden

Thomas Loy

Es kracht, knallt, rummelt und scheppert. Lärmbrocken wie aus einer Fabrikhalle prallen gegen die aufgeplatzten Wandflächen und finden keinen Ausweg. Das ist nicht schön, aber darum geht es hier auch nicht. Skateboardfahren ist eine Abfolge von Anrollen, Abspringen und Aufprallen. Ein Straßensport der harten Sorte. Trainingsplatz ist die betonierte Stadt. Skater brauchen keine Sporthallen. Denkt der Nicht-Skater. Vielmehr: Dachte der Nicht-Skater, denn gerade hat eine eröffnet. 1200 Quadratmeter und mittendrin Deutschlands größte Halfpipe. Sagen die Macher: Tobias Freitag, 27 Jahre alt, und Iana Oswald, 24 Jahre alt. Er Student, sie Mediengestalterin – und nun auch Manager. Demnächst wollen sie Ausbildungsplätze anbieten. So weit die Zukunft. Und wie ging’s los?

Schon vor vier Jahren gab es mal eine kleinere Skaterhalle in Prenzlauer Berg. Als die schließen musste, sah Freitag seine Chance gekommen. Iana Oswald, die Mediengestalterin, schloss sich an. Während Oswald in die Abendsonne blinzelt, erzählt Freitag von Machbarkeitsstudie, Standortanalyse und Business-Plan. Dann wurde noch der weitgehend inaktive „1. Berliner Skaterverein“ aus dem Jahr 1977 reanimiert. Vornehmstes Vereinsziel: der Bau einer Skaterhalle.

Bei der Suche nach einem Standort traf Freitag den grünen Baustadtrat Franz Schulz aus Friedrichshain-Kreuzberg. Schulz brachte das ehemalige Ausbesserungswerk der Reichsbahn an der Revaler Straße ins Gespräch. Freitag und Oswald gründeten die Five-o GmbH, pachteten das Areal und hatten plötzlich einen neuen Berliner Wirtschaftszweig aus der Taufe gehoben: die Skater-Branche.

Die Jugendlichen vom Skaterverein nennt Freitag „die Macher“. Sie haben einen Großteil der Bauarbeiten ehrenamtlich erledigt. Dafür bekommen sie in ihrer Halle freien Eintritt. Den Parcours aus hölzernen Rampen, Bahnen und Hindernissen gestaltete Jürgen Horrwarth, einer der wenigen Profifahrer, die vom Skaten leben können. Finanziert wurden die Baukosten von 250 000 Euro durch Kredite und Sponsorengelder.

Noch in diesem Jahr will die Five-o GmbH fünf Arbeitsplätze und einen Ausbildungsplatz zum Sportkaufmann/-frau schaffen. Umsatz soll vor allem ein Biergarten bringen, der demnächst eröffnet wird, und die Vermarktung der neu entwickelten Rampen und Schikanen, für die Five-o Gebrauchsmuster angemeldet hat. Zwei Aufträge zur Einrichtung von Skateboardplätzen in Berlin hat Freitag bereits an Land gezogen.

Aber wozu brauchen Skateboardfahrer nun eigentlich eine Halle? „Wenn’s regnet oder kalt ist“, sagt Iana Oswald. „Auf dem Rampenparcours können Skater Sprünge und Trickkombinationen besser trainieren als draußen“, sagt Tobias Freitag. „Die Halle ist außerdem ein wichtiger Treffpunkt für die Szene.“

Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene sollen hier angeboten werden. Die Betreiber möchten Skateboardfahren sogar in den Schulsport integrieren. Davon habe man nämlich auch was: „Die Kids lernen Körperbeherrschung und werden viel selbstsicherer.“

41 Skaterhallen gibt es in Deutschland. Die Berliner Halle ist in der Revaler Straße 99 (Friedrichshain). Eintritt: 5 Euro für den ganzen Tag. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 14 - 22 Uhr, samstags von 11 - 22 Uhr, sonntags von 11 - 21 Uhr.

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