Berlin : Diebesgut bei Ebay versteigert – Kripo bot mit

Nach einem Einbruch fand eine Firma ihre gestohlenen Computer im Angebot des Internet-Auktionshauses wieder

Jörn Hasselmann

Die Bestohlenen waren cleverer als die Diebe. Am Montag hatten Einbrecher im Wissenschaftskolleg an der Wallotstraße in Wilmersdorf neun Computer und diverses Zubehör gestohlen. Nach dem ersten Schock über den Schaden hatte ein EDV-Fachmann eine Idee: „So was wird garantiert im Internet verkauft.“ Und tatsächlich, im Online-Auktionshaus Ebay wurden die Computerspezialisten schon am Mittwoch fündig: Alle gestohlenen Festplatten und Computer standen zur Versteigerung. Das Kolleg bot mit, ersteigerte eine Festplatte für 139 Euro – und brachte zur Abholung des Geräts in Brandenburg (Havel) die Polizei mit. Die nahm zwei 32 und 33 Jahre alte Männer aus dem Landkreis Potsdam-Mittelmark fest.

Nach der Entdeckung sei sofort die Kripo informiert worden, sagt der Verwaltungsleiter des Kollegs, Joachim Domnick. Gemeinsam habe man gesteigert – und bekam bei 139 Euro den Zuschlag. Letztlich hätten die Diebe und ihre Hehler einen Fehler gemacht – weil sie die gesamte Beute zum Kauf anboten. Die handelsüblichen Computer von Aldi wären kaum als die gestohlenen identifiziert worden, wären nicht auch die erbeuteten Festplatten angeboten worden. Doch die speziellen Hardware-Komponenten fielen auf.

Die Berliner Kripo-Beamten hatten den Anbieter per E-Mail kontaktiert und die Abholung der Ware in der Wohnung des 32-Jährigen in Brandenburg vereinbart. Dort wurden sie von dessen 33-jährigem Komplizen empfangen, der den „Käufern“ den ersteigerten Artikel übergab. Bei der anschließenden Durchsuchung der Wohnung stellten sie auch den 32-Jährigen und entdeckten Elektronik-Artikel in großen Mengen. Zwei Digital-Kameras konnten bereits einem Diebstahl zugeordnet werden. Die beiden Festgenommenen gestanden, als Hehler tätig gewesen zu sein. Sie wurden nach ihren Vernehmungen entlassen.

Durch den Boom bei Ebay nimmt auch der Betrug zu – wie stark, kann die Berliner Polizei nicht sagen. Erst ab dem kommenden Jahr will das Landeskriminalamt den Auktionsbetrug statistisch erfassen. „Jeder dieser Fälle ist einer zu viel“, sagt Ebay-Sprecher Joachim Guentert. „Aber wir sind nur ein Marktplatz. Vollständige Kontrolle können wir nicht leisten.“ Ebay habe eine Marktplatz-Polizei, mehr als 100 Personen, die die Angebotsseiten nach Auffälligkeiten absuchen. In Zweifelsfällen würden Eigentumsnachweise und Handelsregisterauszüge angefordert. Inzwischen besuchen 16 Millionen Nutzer pro Monat Ebay.

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