Diebstahl : Metalldiebe plündern jüdischen Friedhof

24.08.2011 17:27 Uhrvon
Im Visier von Dieben. Der jüdische Friedhof Weißensee gehört zu den größten in Europa und ist einer der geschichtsträchtigsten Orte Berlins. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Im Visier von Dieben. Der jüdische Friedhof Weißensee gehört zu den größten in Europa und ist einer der geschichtsträchtigsten Orte Berlins. Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Gestiegene Schrottpreise werden zur Gefahr für Kulturgüter.

Berlin - Der jüdische Friedhof in Weißensee am Mittwochmorgen: Zwei Polizisten laufen im Regen Streife, obwohl die Atmosphäre absolut unverdächtig wirkt. Doch Maya Zehden von der Jüdischen Gemeinde Berlin sagt: „Innerhalb einer Woche wurden 47 Gegenstände gestohlen und 16 Grabstellen beschädigt, deshalb die neuen Vorkehrungen.“ Ein verstärkter Sicherheitsdienst sowie Überwachungskameras sollen Diebe künftig abschrecken. Zuletzt waren es fünf wertvolle Pflanzenschalen aus Kupfer, die gestohlen wurden. „Das hat keine religiösen oder politischen Hintergründe – hier geht es um den Wert des Metalls“, ist sich Zehden sicher. Der Kulturdezernent der Gemeinde, Grigorij Kristal, betont den Verlust von kulturhistorisch bedeutenden Gefäßen und sagt: „Dieses Verhalten zeugt von mangelndem Respekt und fehlendem Verständnis für Geschichte.

“ Weißensee gilt als der flächenmäßig größte jüdische Friedhof in Europa. Neben den eigenen Sicherheitsvorkehrungen ruft die Gemeinde jetzt auch Anwohner zu erhöhter Wachsamkeit auf – und will mit Metallhändlern kooperieren, damit diese kein Diebesgut ankaufen. 

„Es ist leider praktisch unmöglich, Kleinhändler zu überwachen, die Gegenstände von geringer Größe erwerben“, sagt Ralf Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Metallhändler. Für Großunternehmen existieren Warnsysteme, sobald Metall als gestohlen gemeldet wird, geht eine Nachricht an sie raus. „Die Lage ist insgesamt schwierig geworden, unsere Mitglieder werden seit vier Jahren ja selbst verstärkt Opfer von Metalldiebstahl im großen Stil“, sagt Schmitz. Dabei sei Kupfer besonders begehrt - der Preis habe sich in den letzten zehn Jahren verfünffacht, auch der Wert anderer Metalle habe stark angezogen.

Dass Diebe auch vor Kunstwerken nicht zurückschrecken, zeigte sich im März in Kreuzberg. Damals wurde die Bronzebüste Hans Böcklers gestohlen. Im Ruhrgebiet wurden mehrere Männer beim Absägen einer 300 Kilogramm-Statue ertappt, in Hamburg verschwand eine doppelt so schwere Bronzefigur spurlos. Auch die Bahn wird immer wieder Opfer von Metalldiebstahl – im Juni wurde in Brandenburg einer Bande der Prozess gemacht, die im ganzen Bundesland Bahnstrecken plünderte. Die Trasse Berlin–Cottbus war davon stark betroffen.

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