DIE CHRONIK : Am ganz großen Rad gedreht

STARTEUPHORIE

In Berlin wurde erstmals vor fünf Jahren am großen Rad gedreht. Die Euphorie war groß, zumal das 135 Meter hohe Londoner Riesenrad „Big Eye“ als erfolgreiches Vorbild galt. Dieses bislang größte Riesenrad Europas zieht seit 1999 das Publikum in Massen an. Das größte Riesenrad der Welt in Singapur, der 165 Meter hohe „Singapore Flyer“, erweist sich dagegen bisher als Flop. Seit dem Start im März 2008 blieb der Andrang hinter den Erwartungen zurück.


KONKURRENZ-PROJEKT

Als die Great Berlin Wheel GmbH 2007 für 25 Millionen Euro das Grundstück des früheren Zoo-Wirtschaftshofes für ihr Projekt erwarb und den Bauantrag einreichte, gab es noch ein Konkurrenz-Vorhaben. Auch die Anschutz Entertainment Group wollte neben der neuen Arena am Ostbahnhof ein gigantisches Riesenrad errichten, verzichtete dann aber wegen des „hohen Aufwandes“ auf das Projekt.

INVESTOREN-TAKTIK

Senat und Bezirke ließen 2005/06 mit Gutachten klären, ob das gewaltige Rad ins Stadtbild passt und wie man es verkehrsmäßig erschließen kann. Als dies der Great Berlin Wheel GmbH zu lange dauerte, drohte sie mit einem Rückzug der Investoren. Es sei „wahnsinnig schwer, ausländische Investoren bei Laune zu halten“ und zu erklären, warum nicht „der rote Teppich“ für sie ausgerollt werde, hieß es. Von diesen Investoren ist jetzt keine Rede mehr.


FRAGWÜRDIGE ZUVERSICHT

2006 waren sich die politisch Verantwortlichen sicher, dass die Berliner schon 2008 Riesenrad fahren könnten. Dann wurde der Start auf 2009 und 2010 hinausgeschoben. Anlässlich des Grundstücksverkaufs sagte der damalige Finanzsenator Thilo Sarrazin begeistert: „Da hat meine Verwaltung an einem großen Rad gedreht.“ Der Einblick, den die Radfinanziers in ihre Vermögensverhältnisse gewährt hätten, habe kaum Fragen offen gelassen. cs

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