• DIE HÖCHSTEN WÜRDENTRÄGER NACH DEM PAPST: WAS SIE TUN UND WER SIE SIND: Ratzinger war noch jünger

DIE HÖCHSTEN WÜRDENTRÄGER NACH DEM PAPST: WAS SIE TUN UND WER SIE SIND : Ratzinger war noch jünger

Verabschiedung. Vor der Abreise lobt Wowereit Woelki. Foto: epd
Verabschiedung. Vor der Abreise lobt Wowereit Woelki.Foto: epd

HÖCHSTE WÜRDENTRÄGER

Kardinäle sind die höchsten Würdenträger in der katholischen Kirche nach dem Papst. Sie werden vom Papst ernannt und unterstützen ihn bei der Leitung der Kirche. Benedikt XVI. bezeichnet das Kollegium der Kardinäle als „eine Art Senat“. Zu den wichtigsten Aufgaben des Kollegiums gehört seit 1179 die Wahl des Kirchenoberhaupts, das in der Regel aus der Mitte der Kardinäle kommt. Heute erhebt der Papst 22 Kirchenvertreter neu in den Kardinalsstand.

ROTE KOPFBEDECKUNG

Ein Kardinal muss die Priesterweihe empfangen haben und sollte mit der Erhebung in den Kardinalsstand zugleich zum Bischof geweiht werden, wenn das noch nicht geschehen ist. In der Regel werden die Erzbischöfe wichtiger Diözesen erhoben, prinzipiell steht dem Papst die Auswahl der Kardinäle aber komplett frei. In Ausnahmefällen werden Geistliche aufgrund besonderer Verdienste zum Kardinal ernannt.

Die „Kreierung“ zum Kardinal erfolgt in einem feierlichen Konsistorium, einer Versammlung aller Würdenträger. Dabei setzt der

Papst dem neu ernannten Kardinal das rote Birett, eine Kopfbedeckung, auf. Weitere sichtbare Zeichen der Kardinalswürde sind der Purpurmantel und der gleichfarbene Pileolus, eine Scheitelkappe. Die rote Farbe soll dabei die Treue zum Papst bis zum Märtyrertod symbolisieren. Der Kardinalstitel wird auf Lebzeiten verliehen.

WOWEREITS LOB

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat die Zusammenarbeit mit dem Erzbischof gelobt. In einer sich wandelnden Gesellschaft dürfe die katholische Kirche einem kritischen Dialog nicht ausweichen, und er begrüße es sehr, dass „Erzbischof Woelki bereits in seiner kurzen Amtszeit offen für diesen Dialog war“, sagte Wowereit am Freitag. Begleitet wird er dabei von seiner sogenannten Kardinalsfamilie, zu der neben Wowereit weitere Landespolitiker und Vertreter anderer Religionen gehören.

ZWEI NEUE DEUTSCHE

Unter den Neuen sind zwei Deutsche: der erst seit einem halben Jahr amtierende Erzbischof von Berlin, Rainer Maria Woelki, und der Dogmatikprofessor Karl Josef Becker. Da dieser derzeit krank ist, bekommt er die Kardinalswürde später überreicht. Der Jesuit Becker, 83, ist einer von vier „Neuen“, die ihren Titel als Ehrung für ihr Lebenswerk erhalten. An einer Papstwahl teilnehmen dürfen diese vier nicht mehr. Denn wahlberechtigt sind nur Kardinäle, die nicht älter als 80 Jahre sind. Von den 214 Würdenträgern trifft dies künftig auf 125 zu. Von den neun Deutschen sind sechs wahlberechtigt. Nach der Erhebung wird es weltweit insgesamt 214 Kardinäle geben.

PAPST-WAHL

Benedikt steigert den Anteil der Italiener im Kardinalsgremium, und er verlässt sich vorwiegend auf Leute aus seiner vertrauten Umgebung. Er befördert Bischöfe, die bereits in der römischen Kurie arbeiten. Benedikt stärkt also den obersten zentralen Beamtenapparat der katholischen Kirche mit Folgen für eine künftige Papstwahl.

ITALIENER, AMERIKANER

Zusammen mit den sieben Neuernannten sind es nun 30 Italiener, die den nächsten Papst mitbestimmen, also genau ein Viertel der Wähler. Bisher waren es 24 Italiener. Den nächstfolgenden „Block“ stellen die Kardinäle aus den USA dar (zwölf Papstwähler). Insgesamt verstärkt das alte Europa mit 67 wählenden Kardinälen seine traditionelle absolute Mehrheit im Konklave wieder einmal und das, obwohl die südlichen Kontinente und die fernöstlichen Länder zusammen längst zwei Drittel bis tendenziell drei Viertel der Weltkatholiken stellen. Doch Afrika muss sich mit elf Wahlkardinälen begnügen, Asien mit neun, und bis auf einen Inder und den qua Amt beförderten Erzbischof von Hongkong sind Afrika, Asien und Ozeanien auch bei dieser Ernennungsrunde leer ausgegangen.

… RÖMER

Dafür hat Rom gewonnen. Zehn Papstwähler stammen aus den Reihen der Kurie und aus der Verwaltung des Vatikanstaats; damit stellt allein der oberste Beamtenapparat der katholischen Kirche mehr als ein Drittel (35 Prozent) der nächsten Papstwähler. Man sagt, dabei habe der italienische Kurienchef Tarcisio Bertone (77) die Regie geführt; es entspricht auf jeden Fall seiner Linie. Ein Superlativ bei diesem Konsistorium gebührt wieder einmal den Deutschen, die nunmehr sechs Papstwähler stellen (Österreich einen, die Schweiz zwei): Woelki ist mit 55 Jahren der Jüngste. Aber: Ein gewisser Karol Wojtyla ist mit 47 Jahren Kardinal geworden, Joseph Ratzinger selbst mit 50 Jahren. Paul Kreiner, Rom (mit dapd/epd)

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