Berlin : DieKinder vom Bahnhof Zoo sind noch da Studie: 300 Jugendliche

gehören zur Szene

Constance Frey

Von Passanten werden sie übersehen. Die Jugendlichen am Bahnhof Zoo haben sich den Bewegungen in ihrem Umfeld angepasst. Sie stehen in kleinen Gruppen zusammen, zerstreuen sich, verlassen das Gebäude, um wenig später wiederzukommen. Nur wer genau hinschaut, sieht die Bierflasche oder den Joint in der Hand des Halbwüchsigen oder den fliehenden Blick eines jungen Mädchens. Stefan Thomas hat genau hingesehen. Ein Jahr lang hat der Diplom-Psychologe für seine Promotionsarbeit an der FU die Kinder vom Bahnhof Zoo begleitet, sie befragt und mit Hilfe der Streetworker vom Verein Treberhilfe Berlin ihren Alltag beobachtet. Die Ergebnisse seiner Studie hat er in einem Buch veröffentlicht.

200 bis 300 junge Menschen zwischen 14 und 27 Jahren halten sich regelmäßig am Zoo auf. Hier leben sie in ihrer eigenen Welt mit Freunden zusammen. Die meisten haben zwar ein Dach über dem Kopf, weil es mehr Wohnprojekte und andere Hilfsangebote gibt als in den 70er Jahren. Doch die Jugendlichen am Bahnhof sehen für sich keine Perspektive. Viele haben die Schule abgebrochen, kommen aus einem schwierigen Elternhaus, in dem sie geschlagen und misshandelt wurden, ihnen fehlt eine Bezugsperson. Für die meisten sind Drogen ein Mittel, um alles zu vergessen – und es gibt viele, die „alles nehmen, was breit macht“. Prostitution bleibt verbreitet, vor allem in der Jebensstraße, wo Jungen auf den Strich gehen, um bessere Kleidung oder Drogen zu kaufen. Aber nur wenige reden darüber, die Schamgrenze ist hoch. Und Christiane F.? „Der Mythos lebt weiter“, sagt Stefan Thomas. „Alle jungen Menschen, die sich am Bahnhof Zoo aufhalten, haben davon gehört und zählen sich dazu.“

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