DIE LOLAS 2012 : Entspannter Glamour

Im Friedrichstadt-Palast wurden Freitagabend vor 1800 Gästen die deutschen Filmpreise verliehen. Andreas Dresen räumte mit „Halt auf freier Strecke“ ab. Auch Roland Emmerich konnte sich freuen.

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Die Lola für die beste Hauptdarstellerin bekam Alina Levshin für ihre Rolle in dem Film „Kriegerin“. Andreas Dresen freute sich gleich über zwei Preise für den besten Film und die beste Regie. Foto: dpa
Die Lola für die beste Hauptdarstellerin bekam Alina Levshin für ihre Rolle in dem Film „Kriegerin“. Andreas Dresen freute sich...Foto: dpa

Der am besten informierte Mann war gestern Abend einer der ersten auf dem roten Teppich vor dem Friedrichstadt-Palast. Notar Hellmut Sieglerschmidt trug in einer goldenen Pappschatulle die 19 versiegelten Umschläge mit den Namen der Gewinner des Deutschen Filmpreises 2012 vor sich her. Er wusste schon, bevor es losging, dass „Halt auf freier Strecke“ nicht nur den Preis für die beste Regie bekommen würde, sondern auch den Filmpreis in Gold, und dass „Wintertochter“ als bester Kinderfilm ausgezeichnet werden würde. Bei den zahlreich erschienenen Autogrammjägern spielte das keine Rolle. Die ließen sich lieber vom Glamour extravaganter Abendroben einfangen und riefen nach Lena (Meyer-Landrut), die ebenfalls früh gekommen war und verkündete, dass sie gern mal was ganz Verrücktes machen wolle.

Entspannter Glamour ist ein Markenzeichen des Deutschen Filmpreises, dazu gehören auch viele offene Hemdkragen trotz des Dresscodes Smoking und coole Bühnenauftritte. Ausgerechnet in der Kategorie Musik musste bei der Verleihungszeremonie der geheime Knopf zum ersten Mal gedrückt werden, der dem Orchester signalisierte, dass es losspielen soll, um die Danksagung des Preisträgers abzukürzen. Aber das passte eigentlich ganz gut. Zuvor hatten Florian Gallenberger und Benjamin Herrmann, die künstlerischen Leiter des Deutschen Filmpreises, das Publikum im Friedrichstadtpalast mit einem lustigen Zusammenschnitt der besten Danksagungen vergangener Jahre unterhalten, wohl auch um von vornherein zur Kürze zu motivieren. Gerade mal 30 Sekunden hatten sie jedem Preisträger zugestanden. Schließlich warteten 600 Flaschen Champagner, um bei der Aftershow-Party in den Foyers geleert zu werden.

Selbstironie angesichts des deutschen Hangs zur Ernsthaftigkeit im Film zog sich wie ein roter Faden durch die Verleihungszeremonie, die erstmals von Jessica Schwarz und Elyas M’Barek moderiert wurde. Als Mitglieder der Filmakademie repräsentierten sie die Gastgeber. „Uns Deutschen liegt das Leichte nicht so“, unkte Christoph Maria Herbst und bot sich an, in einem künftigen Film einen krebskranken Neonazi zu spielen, der einen saufenden, türkischen Ossi trifft.

Das kam kurz vor einer Weltpremiere, die hoffen lässt und auch als Hommage an die Leichtigkeit verstanden werden durfte: der ersten Verleihung des Bernd-Eichinger-Preises. Den bekam Michael Bully Herbig. Laudator Uli Edel attestierte ihm die Gabe, die Menschen zum Lachen zu bringen, das Talent für den Humor, der die vornehmste unter den Künsten darstelle. „Ich bin doch noch so jung“, sagte der Preisträger sichtlich überrascht.

Mit Andreas Dresens Krebsdrama war tatsächlich ein sehr ernster Film der umjubelte Gewinner des Abends. Der zweite Platz für einen der großen Favoriten, das achtmal nominierte DDR-Drama „Barbara“ war vermutlich nur ein schwacher Trost dafür, nicht mehr Preise gewonnen zu haben. Freuen konnte sich hingegen Roland Emmerich, dessen Shakespeare-Stück „Anonymus“ die begehrten Lolas unter anderem für die beste Kamera, den besten Schnitt und die beste Maske bekam. Roland Emmerich durfte selbst als Pate für die Lola in einer Kategorie auftreten, die garantiert „keine Spezialeffekte, keine Stunts und sehr, sehr selten Aliens kennt“: den Dokumentarfilm.

Dessen Bedeutung unterstrich Staatsminister Bernd Neumann in seiner Ansprache und rügte die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten dafür, dass sie, obwohl der Kultur verpflichtet, solche Filme eher auf mitternächtliche Programmplätze verbannen. „Lieber eine Talkshow weniger...“, hub er an. Der Rest des Satzes ging in tosendem Beifall unter. Iris Berben, die als Präsidentin der Filmakademie alleine auftreten musste, weil Bruno Ganz erkrankt war, dankte Neumann besonders dafür, dass er sich in der Debatte um den Schutz des geistigen Eigentums als Anwalt der Kreativen positioniert hat. Später hielt sie eine bewegende Laudatio auf den Ehrenpreisträger Michael Ballhaus: „Danke für deine großartigen Bilder“, ein Satz, den sie mit Gänsehauteffekt intonierte.

Das sei die schönste, die persönlichste Laudatio, die er je bekommen habe, bedankte sich der vielfach ausgezeichnete Kameramann später und erklärte es auch: „Sie weiß so viel von mir.“

Die eindrucksvollste Danksagung hielt am Ende Milan Peschel, der als bester männlicher Hauptdarsteller ausgezeichnet wurde. Da flossen sogar Tränen.

Hier die Auszeichnungen im Überblick:

Gold: „Halt auf freier Strecke“ von Andreas Dresen


Silber: „Barbara“ von Christian Petzold


Bronze: „Kriegerin“ von David Wnendt

Dokumentarfilm: „Gerhard Richter Painting“ von Corinna Belz

Kinderfilm: „Wintertochter“ v. Johannes Schmid


Hauptdarstellerin: Alina Levshin in „Kriegerin“

Hauptdarsteller: Milan Peschel in „Halt auf freier Strecke“

Nebendarstellerin: Dagmar Manzel in „Die Unsichtbare“

Nebendarsteller: Otto Mellies in „Halt auf freier Strecke“

Regie: Andreas Dresen für „Halt auf freier Strecke“

Drehbuch: David Wnendt für „Kriegerin“

Kamera: Anna J. Foerster für „Anonymus“

Schnitt: Peter R. Adam für „Anonymus“


Filmmusik: Lorenz Dangel für „Hell“

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