• Dienen – beherzt und selbstlos Kardinal Sterzinsky predigt Tugenden für neue Amtsinhaber

Berlin : Dienen – beherzt und selbstlos Kardinal Sterzinsky predigt Tugenden für neue Amtsinhaber

Claudia Keller

In Mitte wurde gestern jubiliert, gegeigt und gebratscht, wie nur selten an Sonntagen. Das Erzbistum feierte die Namenspatronin der Kathedrale, die Heilige Hedwig. Außerdem wurden zwei Kirchenmänner in hohe Ämter eingeführt. Schon vor 10 Uhr waren alle Plätze besetzt.

Ein Lob der Frauen leitete den Festgottesdienst ein, ein Lob der gottesfürchtigen, fleißigen, dem Mann gehorsamen Frau, versteht sich. Denn Anmut sei trügerisch, Schönheit vergänglich, es bleibe nur die Gottesfurcht. Aha. Kardinal Georg Sterzinsky erzählte aus dem Leben der Heiligen Hedwig, der frommen, asketischen und untertänigen Gattin des schlesischen Herzogs Heinrich I. Sie lebte im 12. Jahrhundert und soll sich für den Frieden zwischen Polen und Deutschen und für die Armen eingesetzt haben. Ihrem Mann, „den man wohl nur schwer lieben konnte“, wie Sterzinsky sagte, gebar sie sieben Kinder.

Stefan Dybowski, der neue Dompropst, der ebenso in sein Amt eingeführt wurde wie Generalvikar Ronald Rother als residierender Domkapitular, könnten von ihr viel lernen, sagte der Kardinal. Man müsse ein Amt „beherzt“ annehmen, egal ob als Pförtner, Minister, Dompropst, Bischof oder Papst. Man dürfe sich auch nicht um ein Amt drängeln, sondern müsse „selbstlos erwägen“, welche Aufgabe Gott einem zugedacht habe. Die Aufforderung richtete der Kardinal auch an sich selbst. Genauso wie die Worte über die Verantwortung, die mit der Höhe und Größe des Amtes steige. Auf manche der anwesenden Pfarrer und Diakone mögen Sterzinsyks Worte unfreiwillig ironisch gewirkt haben. Schließlich hatte derselbe Kardinal, der sein Bistum sehenden Auges in die Finanzkrise führte, auf dem Höhepunkt der ersten Sparrunde, als hunderte Mitarbeiter entlassen wurden, gesagt: „Ich finde es ungerecht, dass die Oberen gehen müssen, wenn auf der unteren Ebene etwas schief läuft“. „Wir alle wachsen an unseren Aufgaben“, sagte Sterzinsky gestern.

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