Berlin : Dienst an der Delle

Auch wer nur einen kleinen Autounfall hat, ruft meist die Polizei. Ist das überhaupt nötig? Pro & Contra

Jörn Hasselmann

Der Delle beim Ausparken, die Beule beim Auffahrunfall: Schätzungsweise 300 000 Mal kracht es auf Berlins Straßen jährlich, zu etwa jedem zweiten Bums wird die Polizei gerufen. Bis die bei Blechschäden kommt, kann es, wie berichtet, einige Zeit dauern – eine Stunde ist längst keine Seltenheit mehr, sagen Polizisten und die Gewerkschaft. Schuld seien rigoroser Stellenabbau – rund 3000 Stellen wurden seit 2002 gestrichen –, Schließung von Abschnitten und Streichung von Funkwagen. Dem Vorwurf der langen Wartezeit widerspricht indes die Pressestelle der Polizei: „Das war und ist die absolute Ausnahme.“

Anrufer des Notrufs berichteten jedoch, dass sie von der Notrufzentrale gebeten wurden, selbst zur Wache zu kommen, um Fahrten zu sparen. Bei Blechschäden – und gleichzeitig wichtigeren Einsätzen – wird den Anrufern schon mal nahe gelegt, die Sache untereinander zu regeln. Die Zahl der Funkstreifen-Einsätze sank 2004 um 35 000 auf 745 713. Gut 128 000 davon waren Unfälle. 1999 war die Polizei noch zu 153 000 Unfällen ausgerückt.

Trotzdem will die Polizei weiter Blechschäden aufnehmen. Vor drei Jahren hatte eine Reformkommission des Abgeordnetenhauses vorgeschlagen, auf solche Einsätze zu verzichten, um Geld zu sparen. In seltener Einmütigkeit hatten Polizeipräsident und Polizeigewerkschaft das abgelehnt. Die Argumente: Bei der Aufnahme von Blechschäden werden quasi nebenbei jährlich 30 000 Fälle von Trunkenheits- und Drogenfahrten aufgedeckt, Fahrer ohne Lizenz erwischt oder Schrottmühlen aus dem Verkehr gezogen. Die Unfallverursacher müssen Bußgelder zahlen, die bringen Millionen.

Die Beteiligten an leichten Fällen sind nicht verpflichtet, die Polizei zu holen, sagt Stephan Schweda von Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Seit Jahren gibt es das kostenlose „Notfon D“ (Tel. 0800-668 3663) zur Regulierung von Blechschäden. „Ein einziger Anruf und alles ist geregelt“, werben die Versicherungen. Besonders bekannt sei diese Nummer aber nicht, sagte Schweda. Wer einen Unfall dort melde, müsse sich keine Gedanken um eine maximale Schadenshöhe machen. „Den Schaden kann ein Laie ohnehin nicht schätzen“, sagte Schweda.

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