Berlin : Dienstantritt eines alten Bekannten Knut Soppa predigt

in der Gedächtniskirche

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Kurz vor zehn liegt der Breitscheidplatz in sonntäglicher Ruhe. Ein paar Japaner formieren sich zum Gruppenbild vor den Parkbänken, auf denen ein paar Elendsgestalten ihren nächtlichen Rausch ausschlafen. Nicht mal die Kirchenglocken wecken sie auf, die zum Gottesdienst in die Gedächtniskirche rufen. Die ist gestern in der üblichen Mischung von Einheimischen und Gästen der Stadt gut gefüllt. Der Pfarrer freut sich eingangs, dass es ein Sommergottesdienst ist, und hofft, dass sich die Sonnenstrahlen draußen den ganzen Tag über halten. Drinnen in der Kirche bringen die „Chicago Master Singers“ Sonne in die Herzen – geradezu engelsgleich füllt ihr „Kyrie eleison“ das in aller Welt bekannte Berliner Friedenssymbol. Dass der Chor aus den USA gerade am gestrigen amerikanischen Nationalfeiertag in der Gedächtniskirche singt, freut Knut Soppa besonders. Nicht alle wissen bereits, dass der Mann mit dem braun gebrannten Gesicht unterm dichten Silberhaar als neuer Pfarrer der Gedächtniskirche zugleich der alte ist. Bis zum Ruhestand 1998 stand er dort 20 Jahre auf der Kanzel – jetzt macht er es noch einmal, bis ein Nachfolger für seine nach Hermsdorf wechselnde Kollegin Sylvia von Kekulé gefunden ist.

Gott allein als Richter anzuerkennen, darüber predigte Soppa gestern. Im sechsten Kapitel des LukasEvangeliums geht es um die Stellung zum Nächsten. „Vergebt, so wird euch vergeben“, heißt es unter anderen. Sei es im Alltag doch so, dass Fehler immer nur der andere mache, Schuld nur das Gegenüber habe. Wir sollten uns aber akzeptieren wie wir sind. Sollten zuerst den Balken aus dem eigenen Auge ziehen, erst dann den Splitter aus des Bruders Auge. Gott allein richte über Fehler, Schuld und Sünde. Und mit seiner Vergebung schenke er uns täglich einen Neubeginn. Mit Schuldzuweisungen an andere aber verbauten wir allzu oft Gottes Barmherzigkeit den Weg. „Ach, wäre das schön“, sagt der Pfarrer, „wenn wir Gott Richter sein lassen würden und nicht immer meinten, wir seien es, die richten müssen.“ Und bat dann um eine Spende für Seelsorger in Gefängnissen. hema

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