Berlin : Dienstgeheimnis

Verteidigungsminister zeigt Gästen nicht alles. Ein Besuch im abgeschirmten „Führungsraum“

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Fregattenkapitän Victor Prohl macht ein ernstes Gesicht. Der Siebenundfünfzigjährige befehligt kein Schiff, sondern den geheimsten Raum, den es im Bendlerblock gibt. Der Raum ist so geheim, dass er weder für Besucher zugänglich ist, noch sein Standort im Gebäude beschrieben werden darf. Prohl öffnet sein Heiligtum denn auch etwas zögerlich. Wir betreten den „Führungsraum“, wie der rechteckige, unscheinbare Saal heißt, durch eine schwere Eisentür. Überhaupt die Türen: Sie sehen aus wie in einem Tresorraum, zwei davon gibt es an beiden Längsseiten. „Sie schirmen den Raum ab und bilden einen Faradayischen Käfig“, erklärt Prohl. „Damit sind sie abstrahlsicher“, verhindern Abhörversuche und das Eindringen von Funk– oder Radiowellen. Der Mann hat recht: Unsere Mobiltelefone funktionieren nicht mehr.

So sieht er also aus, der Ort, in dem sich Minister Struck jede Woche in der geheimen „Einsatzlage“ über die Entwicklung in den Einsatzgebieten der Bundeswehr informiert. Auch in Krisenfällen – „zum Beispiel beim Terroranschlag auf einen Bundeswehrbus in Kabul vor einem Jahr“, so Prohl, finden hier geheime Lagebesprechungen statt. Der Minister sitzt an der Stirnseite des Tisches, links politische Berater, rechts militärische. Auf der Stirnseite des Raumes zwei große Videowände. „Hier sind wir mit jedem Einsatzort und mit der Bonner Hardthöhe, wo der größte Teil des Ministeriums sitzt, direkt verbunden“, so Prohl. Neben den Leinwänden prangen zwei Uhren, „in Zulu und in Bravozeit“ – das eine ist die Greenwich-Standardzeit, das andere deutsche Sommerzeit.

Daneben ein kleines Display ähnlich der U-Bahn-Stationsanzeige. „Hier werden die Vertraulichkeitsstufen angezeigt. Vertraulich. Nur für den Dienstgebrauch. Geheim. Streng geheim. „Ab ,Geheim‘ darf hier niemand mehr mitschreiben“, so Prohl. Ein umfassendes Lagebild von einem Einsatz dürfe schließlich nicht in falsche Hände geraten. SB

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