Dienstjubiläum : Für Platzeck fällt die Feier flach

Vom Deichgraf zum Landeschef: Am Dienstag vor zehn Jahren wurde Matthias Platzeck Ministerpräsident von Brandenburg. Doch er steckt mitten in der schwersten Krise seiner Amtszeit.

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Beruf: Politiker. Manfred Platzeck 2009 beim Kleinen Parteitag in Caputh bei Potsdam.
Beruf: Politiker. Manfred Platzeck 2009 beim Kleinen Parteitag in Caputh bei Potsdam.Foto: dpa

Genau in dem Moment, als er zu sprechen begann, schüttete es wie aus Kübeln. Und der Unglücksrabe stand da im grauen Anzug, ohne Mantel, ohne Schirm. So überreichte Matthias Platzeck, Ministerpräsident von Brandenburg, mit verklebten Haaren und durchnässtem Anzug am Montagmorgen an der Pier von Rostock–Warnemünde dem Kommandanten der Paten-Fregatte „Brandenburg“ das rot-weiße Fahnenband, die höchste zivil-militärische Auszeichnung, die sein „Ländchen“ zu vergeben hat. Anmerken ließ sich der Gast aus Potsdam nichts. Er hielt seine Rede zu Ende, so dass ihm Manfred Stolpe, der mit Frau Ingrid und Enkel Felix die Zeremonie vom Zelt aus verfolgte, später anerkennend auf die Schulter klopfte. Das sei ja „eine richtige Tapferkeitsübung“ gewesen.

Da lachte Matthias Platzeck nur. Was ist schon ein bisschen Unwetter! Er, der dieser Tage von Pech, Pleiten und Pannen verfolgt wird, hatte sichtlich Vergnügen am Termin fernab der Heimat. Er ließ sich das Schiff zeigen, nach oben auf die Kommandobrücke führen, allein. „Ist das der Gefechtsstand?“ Nein, der sei eine Etage drunter. Platzeck plauderte mit dem scheidenden Fregattenkapitän Lutz-Michael Lorentzen, der nach Berlin versetzt wird und mit seiner Familie nach Werder bei Potsdam zieht. Platzeck erkundigte sich nach der künftigen Schule seiner Kinder. „Das passt doch alles perfekt!“ Ja, hier war er wieder ganz der alte, der trotz grauer, zudem gelichteter Haare noch immer jungenhaft wirkende „Landesvater“, der Menschenfänger, der Zuhörer, neugierig auf Menschen. Die zwei Stunden auf der „Brandenburg“ taten ihm offenkundig gut, weit waren sie weg, die Potsdamer Hiobsbotschaften am Vortag seines Jubiläums.

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Matthias Platzeck: Vom Deichgraf bis zum Bruchpiloten
Am 26. Juni 2012 übernahm Matthias Platzeck in Brandenburg die Regierungsgeschäfte. Dieses Bild zeigt ihn im Jahr 1997 während des Oderhochwassers. Als "Deichgraf" und Krisenmanager machte sich Umweltminister Platzeck damals einen Namen.Weitere Bilder anzeigen
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29.07.2013 13:39Am 26. Juni 2012 übernahm Matthias Platzeck in Brandenburg die Regierungsgeschäfte. Dieses Bild zeigt ihn im Jahr 1997 während...

Heute auf den Tag genau zehn Jahre ist es her, dass der damals 48-jährige Platzeck in Brandenburg von Manfred Stolpe das Kommando übernahm, damit längst einer der dienstältesten Regierungschefs in Deutschland ist. Doch just zum Jubiläum hat er mit dem Fiasko um den Flughafen Schönefeld die wohl schwerste Krise seiner Amtszeit zu bewältigen, eine, durch die er bereits gehörig Glaubwürdigkeit einbüßte und die ihn womöglich sogar das Amt kosten könnte, obgleich Genossen das Undenkbare bisher nicht auszusprechen wagen.

Doch an dem von Manfred Stolpe geerbten Flughafen, dessen Standort er einst als Umweltminister bekämpfte und sich dann zu eigen machte, fliegt Platzeck alles um die Ohren: der Eröffnungstermin, die explodierenden Kosten, die den Landeshaushalt sprengen können. Vor allem aber ist es der fehlende Schallschutz , bei dem er entweder als gegenüber Klaus Wowereit und Peter Ramsauer nicht duchsetzungsstarker Regent dasteht – oder, schlimmer noch, als kalter, herzloser Ministerpräsident, der tausende Anwohner im Stich lässt und den selbst eigene Genossen in dieser Frage nicht mehr verstehen. „Warum macht er das nur?“ Es ist die Wahl zwischen Pest und Cholera, eine gefährliche Mischung für Platzeck. Nein, die Staatskanzlei hat zum Jubiläum nichts geplant. Und die CDU-Opposition verschickte am Montag prompt eine bissige Grußadresse von Generalssekretär Dieter Dombrowski: „Die Brandenburger müssen feststellen, dass Ministerpräsident Platzeck in den letzten Jahren nicht mehr zum Regieren kommt. Stattdessen ist die rot-rote Landesregierung nur mit sich selbst beschäftigt. Platzeck vermittelt den Eindruck, dass ihm die Kraft ausgegangen ist.“

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