• Dienstleistungen Berlin/Brandenburg: Die Region zieht Fachkräfte aus ganz Deutschland an

Berlin : Dienstleistungen Berlin/Brandenburg: Die Region zieht Fachkräfte aus ganz Deutschland an

Klaus Clausnitzer

Alle reden vom Fachkräftemangel in den High-Tech-Branchen. Ich allerdings kann einen Fachkräftemangel in der Region Berlin-Brandenburg bislang nicht feststellen, allenfalls einen höheren Fachkräftebedarf in einigen Berufsgruppen. Schwierigkeiten gibt es auch bei Berufen mit ungünstigen Arbeitsbedingungen oder geringer Entlohnung, das war aber schon immer so. Die meisten Betriebe haben bisher jedoch wenig Probleme, die gewünschten Arbeitskräfte auf dem Arbeitsmarkt zu bekommen.

Gerade die Stadt Berlin strahlt seit jeher auf qualifizierte Fachkräfte aus dem übrigen Bundesgebiet eine große Anziehungskraft aus. Einen generellen höheren Arbeitskräftebedarf wird es erst in etwa 10 bis 15 Jahren aufgrund der demographischen Situation geben. Wahrscheinlich werden Dienstleistungen und Bürotätigkeiten einen Schwerpunkt des zukünftigen Bedarfs darstellen. Man kann davon ausgehen, dass sich allein aufgrund des altersbedingten Ersatzbedarfs die Arbeitskräftenachfrage weiter dynamisieren wird. Wir haben zur Zeit in Berlin und Brandenburg rund 500 000 Arbeitslose. Die Mehrzahl der Arbeitslosen ist beruflich gut qualifiziert. Die Wirtschaft sucht jedoch vielfach junge Alleskönner mit geringen Einstiegsgehältern. Ältere Arbeitslose werden trotz guter Qualifikation oft nicht eingestellt. Zudem werden immer noch viele ältere Mitarbeiter in die Frührente geschickt, oft ohne Rücksicht darauf, ob ihre Qualifikation weiter benötigt wird.

Wir haben die Chance, die Arbeitslosigkeit nachhaltig zu verringern. Das setzt aber voraus, dass auch ältere Arbeitslose eingestellt und den Arbeitsämtern entsprechende Stellen gemeldet werden. Arbeitgeber müssen mehr Kreativität entwickeln, wenn sie die Wunschkandidaten am Arbeitsmarkt nicht finden. Die von den Arbeitsämtern finanzierte berufliche Qualifizierung ist sehr erfolgreich. Gäbe es sie nicht, könnte man wahrscheinlich tatsächlich von einem Fachkräftemangel reden.

Leider ist die Personalplanung bei vielen kleinen und mittleren Betrieben nur kurzfristig angelegt. Da die Wirtschaft in der Region insgesamt von kleinen und mittleren Betrieben geprägt ist, dominieren Betriebe mit einer kurzfristigen Artikulation des Personal- und Qualifizierungsbedarfes. Der ständige Kontakt der Arbeitsberater und -vermittler in den Arbeitsämtern mit den Unternehmen ist deshalb ein sehr wichtiger Baustein zur Ermittlung des künftigen Fachkräfte- und Qualifizierungsbedarfs. Im letzten Jahr haben die Arbeitsämter in Berlin und Brandenburg 1,6 Milliarden Mark ausgegeben, um 64 200 Arbeitslose zu qualifizieren. Die Arbeitsämter mit ihren Qualifikationsangeboten können jedoch nur flankierend tätig sein. In erster Linie ist es Aufgabe der Wirtschaft, ihre Mitarbeiter bedarfsgerecht aus- und fortzubilden. Die meisten Betriebe unternehmen große Anstrengungen auf dem Gebiet der Ausbildung, aber nicht überall genug. In den nächsten Jahren wird angesichts der demographischen Entwicklung auch hier eine Marktanpassung erfolgen. Wirtschaftliche und technische Innovationen lassen einen Fachkräftebedarf entstehen. Wenn wir diesen Fachkräftebedarf in Gegenwart und Zukunft decken wollen, müssen wir in Qualifizierung investieren.

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