Berlin : Dienstleistungen Berlin/Brandenburg: Verkehrs-Innovationen sucht man hier vergeblich

Klaus Kurpjuweit

Die Voraussetzungen waren ideal. Es war alles da: Universitäten, Unternehmen mit Know-how und sogar Politiker mit dem erklärten Willen. Die Region Berlin-Brandenburg war gleich nach der Wende auf dem Weg, zu dem angestrebten Weltverkehrskompetenzzentrum zu werden.

Der Traum ist geplatzt. Heute muss die Region froh sein, wenn wenigstens ein Großteil der Arbeitsplätze erhalten werden kann. Von dem einstigen Traum eines Kompetenzzentrums ist kaum noch etwas übrig geblieben. Die Ursachen sind vielfältig. Die Politik hat es beim Willen belassen und ihm keine Taten folgen lassen, und die Unternehmen müssen inzwischen mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten kämpfen, die man sich vor zehn Jahren nicht vorstellen konnte. Mit Adtranz in Hennigsdorf sowie Bombardier/DWA und Siemens in Berlin waren drei der vier großen Konzerne der Bahnbranche in der Region mit ihrer Unternehmensspitze vertreten. Siemens hat seine feste Vorstandsadresse in Berlin inzwischen aufgegeben. Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp will die ungeliebte Adtranz-Tochter abstoßen und ist heilfroh, mit Bombardier einen Käufer gefunden zu haben. Die Fusion wird zu einem Abbau von Arbeitsplätzen führen. In Hennigsdorf, wo sich jetzt noch die Deutschland- und Europazentrale befindet, befürchtet man sogar ein komplettes Aus des Standortes. Aber auch in der Anwendung neuer Technik ist die Region nicht vorangekommen. Wer innovative Systeme sehen will, fährt woanders hin. Straßenbahnen, die auch auf Eisenbahngleisen unterwegs sind, findet man in Karlsruhe und Saarbrücken, Eisenbahnfahrzeuge auf Straßenbahngleisen fahren durch Zwickau. Pläne für eine Duo-S-Bahn gibt es zwar auch in Berlin, vor allem für den östlichen Außenring von Karow bis zum Flughafen Schönefeld, doch sie kommen nicht voran. Eine Verkehrsmanagement-Zentrale, die den Autoverkehr am Stau vorbei lenken könnte, ist seit Jahren in Berlin im Aufbau und in Hannover in Betrieb. Leitsysteme zu Parkhäusern mit aktuellen Hinweisen zu freien Plätzen gibt es schon lange fast überall, nur nicht in Berlin.

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