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Dienstwagen-Check der Umwelthilfe : Michael Müller fährt in Berlin am klimaschädlichsten

Das politische Spitzenpersonal in Berlin fährt überwiegend mit Diesel-Dienstwagen durch die Stadt. Ihre Klimabilanz ist mäßig und bringt sie in der DUH-Dienstwagenliste auf Platz fünf der Bundesländer.

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Der gepanzerte Audi des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD) stößt 214 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer aus. Niemand im Senat ist klimaschädlicher unterwegs.
Der gepanzerte Audi des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD) stößt 214 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer aus. Niemand im...Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Die Dienstwagen des Berliner Spitzenpersonals stoßen im Schnitt 138 Gramm Kohlendioxid (CO2) pro Kilometer aus. Damit ist die Flotte des Senats verglichen mit anderen Bundesländern im oberen Mittelfeld unterwegs, was die Klimafreundlichkeit der Fahrzeuge angeht. Platz fünf der Länderliste belegt Berlin, berichtet die Deutsche Umwelthilfe (DUH), die seit 2007 eine Liste führt, welche Spitzenpolitiker mit ihren Dienstwagen den größten oder kleinsten Klimaeffekt produzieren.

Die DUH führt solche Listen auch für das Führungspersonal von Kirchen, oberen Bundesbehörden und Unternehmen. Nur die antworten auf die Anfragen selten. Politikern fällt es schon schwerer, die Anfrage zu ignorieren. Am Mittwoch hat die DUH ihre aktuelle Politiker-Dienstwagen-Liste präsentiert.

Umweltministerin Hendricks auf dem letzten Platz

Von allen Mitgliedern des Bundeskabinetts ist der Dienstwagen von Bildungsministerin Johanna Wanka demnach am saubersten (132 Gramm CO2). Ausgerechnet Bundesumweltministerin Barbara Hendricks bildet hingegen - gemeinsam mit Justizminister Heiko Maas und Familienministerin Manuela Schwesig - das Schlusslicht (159 Gramm). Im Vorjahr lag Hendricks noch auf Platz eins. Die Übersicht der DUH, die 231 Politiker im Bund und in den Ländern befragt hat, zeigt, dass Diesel-Fahrzeuge die Dienstwagenflotten dominieren. "Solange die exklusiven Dienstwagen-Hersteller Daimler, BMW, Audi und VW nicht die Einhaltung der Grenzwerte auf der Straße und nicht im Labor sicherstellen, sollten Politiker keine Diesel-Pkw anschaffen", sagte DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch. Mit Blick auf die hohen Rabatte von bis zu 80 Prozent, die die Hersteller Politikern gewähren, sprach Resch von "Bestechung". Politiker würden von der Industrie als "kostenlose Werbeträger missbraucht". Die DUH rügt, dass die Dienstwagen häufig übermotorisiert und vor allem für den Stadtverkehr viel zu groß seien.

Im Vergleich der 16 Ministerpräsidenten schneidet Carsten Sieling aus Bremen am besten ab (102 Gramm CO2). Auf den letzten Platz setzte die DUH Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer, der sich als einziger Spitzenpolitiker weigerte, Angaben zu seinem Dienstwagen zu machen. Die DUH reichte deshalb Klage ein. Nicht gewertet wurden die besonders geschützten Fahrzeuge der Bundeskanzlerin, Verteidigungsministerin, des Finanz-, Innen- und Außenministers sowie des Bundespräsidenten.

Wirtschaftssenatorin Yzer fährt besonders sauber

Berlin konnte sich insgesamt im Vergleich zum Vorjahr von Platz acht auf Platz fünf verbessern. Die meisten Senatoren-Dienstwagen stoßen um die 20 Gramm weniger CO2 aus als noch ein Jahr zuvor.

Die Ergebnisse für Berlin liegen dem Tagesspiegel bereits vor. Demnach hat der Dienstwagen von Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) den geringsten CO2-Ausstoß. Ihr Mercedes Hybrid (E 300 Blue Tec) kommt auf 99 Gramm pro Kilometer. Allerdings wertet die DUH die Tatsache, dass Yzers Dienstwagen mit Diesel betankt wird, als Manko. Das gilt allerdings mit Ausnahme der besonders geschützten Sonderanfertigung für den Regierenden Bürgermeister, die mit Benzin angetrieben wird, für alle Dienstwagen der Senatoren. In der Stadt ist der Diesel allerdings wegen seiner Feinstaub- und Stickoxid-Emissionen nicht gerne gesehen - und trägt massiv zur Luftverschmutzung bei.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) und sein Koalitionspartner Innensenator Frank Henkel (CDU) sind am schnellsten unterwegs. Ihre Dienstwagen bringen es auf eine Spitzengeschwindigkeit von 250 Stundenkilometern. Henkel lässt sich in einem BMW 730 Ld durch die Stadt kutschieren, der einen CO2-Aussstoß von 122 Gramm pro Kilometer hat. Das ist knapp oberhalb des Grenzwerts, der im Durchschnitt für Fahrzeugflotten in der Europäischen Union im Jahr 2012 erreicht sein sollte.

Der Grenzwert für 2020 liegt bei einem CO2-Ausstoß von 95 Gramm pro Kilometer. Müllers Sonderanfertigung dagegen bringt es auf den Senatsrekord-Ausstoß von 216 Gramm CO2 pro Kilometer. Sein Auto ist mit Baujahr 2013 das älteste. Alle anderen Senatoren fahren Modelle des Baujahrs 2015.

Sandra Scheeres und Frank Henkel teilen sich den zweiten Platz

Beim Klimaschaden ist Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) übrigens gleichauf mit Frank Henkel auf Platz zwei. Auch ihr Audi stößt 122 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Stadtentwicklungssenator Andreas Geisels (SPD) Dienstwagen, ein BMW, stößt noch zwei Gramm mehr CO2 aus. Geisel ist übrigens im Berliner Senat auch für die Umwelt zuständig, und die Klimaschutzkonzepte für die Großstadt. Sozialsenator Mario Czaja (CDU), der in der Flüchtlingskrise als Verantwortlicher für das Lageso eine unglückliche Figur machte, ist bei der Klimabewertung seines Dienstwagens im Mittelfeld der Senatoren. Sein Audi stößt 128 Gramm CO2 pro Kilometer aus.

Im hinteren Drittel in Sachen klimafreundliche Dienstwagen befinden sich Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD), Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) und Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD). Kollatz-Ahnen lässt sich mit einem Audi fahren, der sich "clean Diesel" nennt und trotzdem 133 Gramm CO2 pro Kilometer in die Atmosphäre bläst. Heilmanns BMW bringt es auf 144 Gramm pro Kilometer, und Dilek Kolat liegt zwar noch deutlich vor ihrem Chef Michael Müller, aber in der Gruppe der Senatoren ohne gepanzerte Dienstwagen mit 153 Gramm CO2 pro Kilometer am Schluss.

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