Berlin : Diese Firma swingt

Happy Birthday heißt das Konzert des Rias-Orchesters zu Ehren von Glenn Miller. Gratulieren kann die einst abgewickelte BigBand auch sich selbst. Weil es sie immer noch gibt: als GmbH

Andreas Conrad

Als Robbie Williams seinen „Findet Nemo“-Titelsong „Swing when you’re winning“ in Deutschland sang, sollten sie dabei sein. Der Entertainer hatte sich gewünscht, dass ihn beim seinem Auftritt in Gottschalks „Wetten, dass…“ ein Orchester aus Berlin begleitet: die Rias Big Band. Das wurde ihm verwehrt.

An diesem Sonnabend wird die Rias Big Band wieder einmal konzertieren und im Großen Sendesaal des Hauses des rbb-Rundfunks des 100. Geburtstages von Glenn Miller und Count Basie gedenken. Das zum Motto gewählte „Happy Birthday“ könnte das Orchester ebenso gut auf sich selbst münzen, tritt es doch nach Jahren der existenziellen Unsicherheit erstmals im neuen organisatorischen Rahmen als gemeinnützige GmbH auf.

Noch vor drei Jahren sah es um die Zukunft des 1948 als Rias-Tanzorchester gegründeten Klangkörpers nicht gut aus. 1993 wurde die Big Band nach dem Aus für den Rias in die Trägergesellschaft der Rundfunk-Orchester und -Chöre GmbH Berlin (ROC) eingebunden und Mitte 2001 endgültig abgewickelt. Die restlichen zwölf Musiker waren zum Jahresende gekündigt, Auftritte sollte es keine mehr geben. Und in dieser misslichen Situation fragte einer aus dem Robbie-Williams-Management bei dem befreundeten Rias-Trompeter Greg Bowen wegen einer Begleitung des Entertainers bei Gottschalk an. Das hätte die Big Band gerne getan, aus der damaligen ROC-Geschäftsleitung aber, so erinnert sich Trompeter Dieter Bilsheim, kam eine Absage. Bilsheim und einige Musikerkollegen waren trotzdem dabei, aber nicht unter dem Markenzeichen Rias Big Band.

Aber das sind die Enttäuschungen der Vergangenheit, es geht wieder aufwärts. Wenngleich die Rias Big Band Ende 2001 offiziell zu existieren aufhörte, gab es sie weiterhin, anfangs ohne feste Rechtsform, mehr im informellen Rahmen. Man sah weiter eine Nachfrage nach erstklassiger Big-Band-Musik, fühlte sich weiter einander verbunden. Das sei „wie bei einer gut funktionierenden Sportmannschaft“, beschreibt es Bilsheim, erst im Vorstand des Vereins Freunde der Rias Big Band tätig und nun auch in der neuen GmbH, die künftig den Rahmen setzen soll für die weiteren Konzerte des Orchesters. Drei hat es seit dem verordneten Aus Ende 2001 gegeben, das vierte an diesem Sonnabend bedeutete schon organisatorisch eine Wende und ist mit vielen Hoffnungen verknüpft. Vier Konzerte pro Jahr sind das Ziel, unterstützt wird die Big Band dabei vom Rundfunk Berlin-Brandenburg, der den Sendesaal zu günstigen Konditionen zur Verfügung stellt, für die Konzerte Werbespots ausstrahlt und sie später im Stadtradio „88acht“ ausstrahlen will.

Hauptgesellschafter der GmbH ist der Förderverein mit seinen rund 120 Mitgliedern, dazu kommen einige Einzelpersonen, darunter Bilsheim. 17 Musiker gehören zur aktuellen Band, die freiberuflich in anderen Projekten arbeiten, sich die avisierten Rias-Termine aber als besondere Höhepunkte ihrer Arbeit freihalten. Probleme mit den Rechten am ehrwürdigen Namen und auch dem berühmten Logo gibt es dabei keine. Sie liegen beim Freundeskreis.

„Happy Birthday“ – Konzert der Rias Big Band zum 100. Geburtstag von Glenn Miller und Count Basie mit Gaststar Silvia Droste am 29. Mai, 20 Uhr, Großer Sendesaal im rbb-Haus des Rundfunks, Masurenallee 8-14 in Charlottenburg. Die Karten kosten 28 Euro plus Vorverkaufsgebühr.

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