Berlin : "Diese Rohheit sprengt alle Grenzen"

Das Landgericht Frankfurt/Oder hat zwei Männer, die im brandenburgischen Beeskow einen schlafenden Obdachlosen anzündeten, zu hohen Haftstraßen verurteilt. Die beiden 19 und 23 Jahre alten Täter wurden des versuchten Mordes schuldig gesprochen.

Frankfurt/Oder (29.03.2005, 17:10 Uhr) - Der 23-jährige Angeklagte wurde zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Der 19- Jährige erhielt eine Jugendstrafe von vier Jahren und zehn Monaten. Nach Überzeugung des Gerichts haben sie im Sommer 2004 einen auf einer Parkbank schlafenden Obdachlosen in Beeskow zunächst erfolglos nach Geld durchsucht und dann angezündet. Der 36-Jährige war lebensgefährlich verletzt worden. Das Gericht sprach die Angeklagten des versuchten Mordes und der schweren Körperverletzung schuldig.

«Diese Rohheit sprengt alle Grenzen», sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Die Angeklagten hätten ihr stark betrunkenes Opfer hilflos vorgefunden und ihm durch den Anschlag schweres Leid zugefügt. Der Mann habe nur dank der beherzten Hilfe einer Passantin und durch intensive medizinische Versorgung überleben können. Er benötige bis heute medizinische Betreuung.

Zu Gunsten des jüngeren Angeklagten wertete das Gericht dessen umfangreiches Geständnis. Dies enthebe ihn jedoch nicht von seiner Verantwortung für die Tat, sagte der Richter. Erschwerend komme bei beiden Tätern ihre Verachtung gegenüber Obdachlosen hinzu. Dem 23- jährigen Angeklagten legte das Gericht strafverschärfend zur Last, dass er bis zuletzt eine Tatbeteiligung ausgeschlossen hatte.

Mit dem Urteil blieb die Kammer unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft, die für den Älteren neun Jahre Haft und für den Jüngeren eine Jugendstrafe von sechs Jahren verlangt hatte. Die Verteidigung war unter diesen Forderungen geblieben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Verteidiger des 23-Jährigen schloss einen Revisionsantrag seines Mandanten nicht aus. (tso) ()

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