Berlin : Dieser Nachbar lässt den Potsdamer Platz kalt

Der größte Kühlschrank Berlins zählt zu jenen Objekten, die man zwar sieht, aber nicht bemerkt. Sandfarbene Bauhausfassade, Lamellenfenster, Milchglastür. Auffällig ist nur der übergroße Vattenfall-Mann, der auf einer ebenso riesigen Leiter die Seitenwand vom brachen Eckgrundstück an Stresemann- und Niederkirchnerstraße hochklettert. Seit 1997 steht die Kältezentrale zwischen Potsdamer Platz und Martin-Gropius-Bau, um die Nachbarschaft zu erfrischen: sämtliche Neubauten am Potsdamer Platz einschließlich Beisheim-Center und Umweltministerium. Außerdem das Finanzministerium, Abgeordnetenhaus, Gropius-Bau und das künftige Einkaufszentrum am Leipziger Platz.

Die Leistung entspricht etwa einer halben Million Kühlschränke. Die Funktionsweise kann der Chef Gerhard Plambeck sehr kompliziert oder sehr einfach erklären. Kurzversion: „Wenn sie in einem See schwimmen und beim Rauskommen ist es windig, dann frieren Sie.“ Denn wo Wasser verdunstet, nimmt es Wärme mit. Wohin, zeigt Plambeck, nachdem er über eine Wendeltreppe aufs Dach geklettert ist, aus dem Wasser dampft. In der Etage darunter rauschen Wasserkaskaden: Acht Kühltürme verbergen sich im Dachgeschoss, jeder so groß wie ein Einfamilienhaus. Die Kältezentrale sichert nicht nur den Komfort von Kunden und Büroarbeitern, sondern auch die Kühlung von Rechnerzentralen und Kernspintomographen in Arztpraxen.

Gekühlt werden die Gebäude über einen Wasserkreislauf: 5,5 Grad Vorlauftemperatur zeigt ein Display in einem der blitzsauberen Maschinenräume. Das kalte Wasser strömt zu den Kunden und nimmt dort die überschüssige Wärme auf. 8,9 Grad Rücklauftemperatur zeigt das Display. Im Sommer können es auch mal zwölf Grad sein, so dass das Wasser vor der nächsten Runde stärker gekühlt werden muss. Dann steigt der Stromverbrauch in der Kältezentrale, während die Energie sonst vor allem aus Fernwärme gewonnen wird. Das Kühlwasser fördert Vattenfall in einem Brunnen unterm Gebäude; bis zu 200 000 Kubikmeter pro Jahr. Die Zentrale war ein reines Technikgebäude. Wegen des Interesses von Fachleuten ist später ein Konferenzraum eingebaut worden. Es wird auch künftig viel zu besprechen geben. Denn perfekt wäre die Kältezentrale erst mit Öko-Energie. Bis 2050 will Vattenfall klimaneutral werden.

Stresemannstr. 122 (Mitte), Führung um 14 Uhr, max. 15 Personen, Anmeldung unter www.berlin-spart-energie.de

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