Berlin : Dieses Buch in Gottes Ohr

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Das Event ist speziell: So eine bischöfliche Autogrammstunde mit Buchpräsentation, anrührendem Chorgesang, Schlussgebet und Häppchen hat es in der Kulturbühne bei Dussmann noch nicht gegeben. Rekordverdächtige 3,6 Millionen beträgt die Startauflage des vorgestellten Druckwerks: Es ist das in einem zwölfjährigen Kommissions-Marathon vorbereitete neue katholische Gesangbuch „Gotteslob“. Der Kellerraum an der Friedrichstraße ist gedrängt voll mit gläubigen Sangesfreunden, die begrüßt werden von der Geschäftsführerin des Kulturkaufhauses. Der Moderator, Rainer Maria Woelki, ist zu Späßen aufgelegt: Da er dem Publikum den Effekt der trällernden Andrea Nahles ersparen wolle, werde er selbst nicht singen, entwarnt der Kardinal.

Stattdessen bietet der Kammerchor von St. Hedwig einen Ritt durch die 1200-Seiten-Sammlung: Lateinisches, ein orthodoxes Vaterunser, „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ als Beispiel für zahlreiche Lieder der Reformatoren. Im Regional-Anhang Ost des neuen „Gotteslob“, das am 1. Advent in Gebrauch genommen wird, bringen die Diözesen Berlin, Dresden-Meißen, Erfurt, Görlitz und Magdeburg erstmals ihr Sonderliedgut gemeinsam ein. Bei den moderneren Songs habe man versucht, nach Qualität auszuwählen, aber auf den Ohrwurm „Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer“ verzichtet, sagt Woelki. Die Verballhornung „... ist wie Kraut und Rüben ...“ läge zu nahe. Er räumt aber ein, dass man so etwas in 50 Jahren vielleicht anders entscheiden werde. Thomas Lackmann

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