Berlin : DIE STATISTIKERIN

Ulrike Rockmann ist seit 2007 Präsidentin des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg, Publikationsstelle der „Statistischen Jahrbücher“.



Ob es im aktuellen „Berliner Jahrbuch für Statistik“ eine Zahl gibt, die mich besonders überrascht hat? So was werde ich immer gefragt! Und ich muss dann immer antworten: Nein, tut mir leid. Unsere Statistiken sind nicht überraschend. Bei Statistik geht es einfach nicht um Überraschung!

In unser Jahrbuch geht die Arbeit von insgesamt 450 Mitarbeitern ein. Wir arbeiten das ganze Jahr an den Statistiken, aber wir arbeiten natürlich schon lange nicht mehr an einem einzigen Buch. Jährlich geben wir ungefähr 380 Pressemitteilungen mit Daten zu Berlin und Brandenburg heraus – wir veröffentlichen also ununterbrochen, da fällt das Buch gar nicht so auf. Aber wichtig ist es trotzdem. Und es hat eine lange Tradition – dieses Jahr feiert das Berliner Jahrbuch sogar einen runden Geburtstag: Es wird 150 Jahre alt. In der Zeit hat es sich natürlich stark verändert. Im ersten Jahrgang, 1852, waren hier in Berlin zum Beispiel noch zwei Hasenhaarschneider gemeldet.

Aber ganz klar: Der Zugang zu Statistiken entfernt sich immer weiter vom Buch. Im Internet haben wir inzwischen auf unserer Seite einen „Tabellengenerator“, da kann der Benutzer die Rahmenbedingungen für seine Anfrage selbst eingeben. So etwas kann das gedruckte Jahrbuch natürlich nicht. Wir müssen ja auch sparen, da überlegen wir schon zuweilen, ob das Buch noch benötigt wird. Aber wenn ich dann wieder in die alten Buchausgaben gucke, dann weiß ich ganz eindeutig, dass wir das Jahrbuch als Druckwerk brauchen. Die gedruckten Jahrbücher haben einfach Bestand, in ihnen kann man jederzeit recherchieren. Völlig anders als elektronische Daten. Wie oft hatte ich schon auf meinem Rechner Dateien, die bloß ein paar Jahre alt waren, und die ließen sich dann nicht mehr öffnen. Bücher haben Bestand, die Daten und die Geschichten, die sie erzählen, gehen in ihnen nicht verloren. Das schätzt man als Statistiker.

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