Berlin : Dieter, Arnie und heiße Stunden im Hamburger Bahnhof

Willkommen zurück: Was Sie verpasst haben, wenn Sie in den vergangenen sechs Wochen nicht in der Stadt waren – eine Rückschau auf Berlin im Hitzestau

Bernd Matthies

Endlich mal Sommerferien mit einem schlüssigen Motto auch für die Daheimgebliebenen: „Uns geht’s Berlin“, teilt eine neue Werbekampagne den Restdeutschen selbstbewusst mit. Eine unwiderlegbare Aussage zweifellos; was sie bedeutet, war auch am Ferienende noch nicht bekannt.

Mag sein, dass es den Pop-Musikern der Stadt tatsächlich Berlin geht, wenn im nächsten Jahr die Kölner Popkomm, die wichtigste Branchenmesse, an die Spree umzieht – eine der raren guten Nachrichten zum Ferienbeginn, die auch dem sonst gern im Verborgenen werkelnden Wirtschaftssenator Harald Wolf ein wenig Publicity verschaffte. Er wird es ebenso mit Vergnügen gehört haben, dass die vorher fast schon totgesagte Love Parade am 13. Juli rund eine halbe Million Menschen auf die Straße bringt und damit als vorerst gerettet gilt.

Die Hochdruckgebiete, die in den kommenden Wochen das Klima – und das wichtigste Gesprächsthema der Stadt bestimmen, tragen wechselnde Namen, eines der ersten heißt Dieter. Arnie dagegen ist ein Mensch, sein Nachname Schwarzenegger: Die Vorstellung seines Films „Terminator 3“ durch ihn selbst beendet am 14. Juli die Berliner Glamour-Saison. Die Polizei muss noch ein paar Tage dranhängen und das Rekrutengelöbnis am 20. Juli über die Runden bringen. 20 von 250 Rekruten kippen wegen der Hitze um: Ob es auch ihnen Berlin ging? Oder einfach nur schlecht?

Den Leuten auf dem Bau geht es garantiert schlecht. Der Baufilz in der Weltmetropole der unerwarteten Preissteigerungen kennt keine Sommerpause, und so fällt kein Sachkenner erschreckt vom Stuhl, als der Generalunternehmer die Arbeiten an der ohnehin schon stark überreifen neuen Akademie der Künste Mitte Juli hinschmeißt: offene Rechnungen, die keiner bezahlen will. Keiner regt sich richtig auf, die Akademie selbst hat ja ohnehin noch ein warmes Plätzchen in Tiergarten. Auch teuer, aber nicht so teuer wie die Inflation in der Akademie, ist der Brand, der am 27. Juli im Hamburger Bahnhof ausbricht und 400 Quadratmeter Ausstellungsfläche zerstört.

Hoch schlagen dagegen die Wellen der Empörung, als Erwägungen des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) bekannt werden, das Sandmännchen, Vorname: Ost, wegen zu schlechter Einschaltquoten in Rente zu schicken – eine Welle der Solidarität schwappt durch die Stadt, sogar drunten in Bayern bei der CSU macht sich ein Medienexperte stark für den einst so spätsozialistischen Spitzbart.

Am 2.August um 13.25 Uhr schlägt dem Alex eine historische Stunde: Das Thermometer dortselbst zeigt 40 Grad an, heiß ist es in der Stadt, die gerade den Schock hinnehmen musste, in Sachen wirtschaftlicher Dynamik abgeschlagen den bundesweit letzten Platz einzunehmen. Kein Wunder, dass sich immer mehr Beraterfirmen mit klangvollen Namen ansiedeln; manch Skeptiker fühlt sich davon freilich an gewisse Raubvögel erinnert, die über potenzieller Beute kreisen…

Eine, der es schon lange Berlin geht, ist Yan Yan. Die Pandabärin übersteht auch die cleversten Befruchtungstricks der hiesigen Pandalogen ungerührt und ungeschwängert – wieder kein Progesteron im Kot. Dabei wäre doch vielleicht die Aussicht auf ein supersüßes, ultraniedliches und hochputziges Bärenbaby genau jenes Zeichen, das das darbende Berlin brauchte, um seine Kräfte zu mobilisieren. Ihr Völker der Welt, schaut auf dieses Bärchen!

Ähm, ja, wo waren wir stehenge… Hier. Berlins Beamte kriegen vom Innensenator am 5.August hitzefrei, und keiner geht nach Hause. Zu viel Arbeit, wie es scheint. Zum Beispiel auszurechnen, was die Akademie der Künste denn nun mehr kostet, als ursprünglich veranschlagt. Es sind neun Millionen mehr, heißt es, als der Senat das Projekt am 7.August nun wieder selbst übernimmt. Neun Millionen, vorerst.

Wo wir gerade beim Geld sind: 1,9 Millionen Euro Pension haben die abservierten Manager der Landesbank im Jahr 2002 eingestrichen – ein Spitzen-Trostpflaster für den abrupten Karriereknick, wie wir kurz vor Ferienende erfahren. Ja, denen geht es nun garantiert Berlin. Und allen anderen Berlinern ja sowieso.

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