Berlin : Dieter Lenzen, Uni-Manager

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Bücher überall und bis zur Decke, dazwischen der große Esstisch für die häufigen Gastmahle im Hause des FUPräsidenten Dieter Lenzen in Marienfelde. Niklas Luhmann war ein Gast, mit dem der Erziehungswissenschaftler, Philosoph und Philologe Dieter Lenzen zusammengearbeitet hat. Bücher nutzt Lenzen, dieser kahle, klare Kopf mit einer eindrucksvollen akademischen Karriere, nicht nur, er schreibt sie auch. Über Vaterschaft, Kunst, Pädagogik oder die Mythologie der Kindheit.

In den Themen steckt ein Stück eigene Erfahrung. Die Schule im katholischen Münster hat der junge Protestant „als schwere Last empfunden“. Die evangelischen Kinder durften erst nachmittags in die Schule und wurden regelmäßig von den Katholiken, die morgens Schule hatten, verprügelt. Das hat ihn geprägt, ebenso wie das Berufsoffizierselternhaus. Für sein Magister-Examen an der Uni Münster nach nur sieben Semestern brauchte er eine Sondergenehmigung, für die Doktorarbeit – summa cum laude – dann ganze sieben Monate.

Ob Dekan, Professor (mit 28!), Leiter von diversen Kommissionen, Gutachter, als Gastprofessor in Stanford oder Tokio, ob als Mitarbeiter des Kultusministeriums in NRW, „für viele Funktionen war ich immer zu jung“, sagt er irgendwie erstaunt von seiner Vita. Als „freundlich-distanziert, wohlwollend beobachtend, strukturierend und diszipliniert“ sieht er sich. Wenig überraschend, dass er auch der Arbeitsgruppe „Hochbegabung“ des Berliner Senats angehört.

Das alles klingt nach Schöngeist, nach Forschung und Lehre. Aber heute ist Dieter Lenzen als FU-Präsident oberster Manager der „Bildungsfabrik“ Freie Universität. Das heißt: Millionenbudgets erstreiten und verteilen, drei- bis viertausend Mitarbeiter in Lehre, Forschung und Verwaltung führen, um 38 000 Studenten auszubilden. Und das mit Ressourcen, die gegenüber den berühmten amerikanischen Universitäten nur einen Bruchteil ausmachen. Studiengebühren sind für ihn „kompliziert“, weil der Staat sich dann ungebührlich zurückziehen könnte. „Aber mit höherer privater Finanzierung wäre mehr Autonomie gewonnen, und die Uni könnte unternehmerischer geführt werden.“ Die Reformen gehen ihm zu langsam. Systeme muss man „irritieren“, um sie neu zu stabilisieren. Das Erziehungssystem sei am resistentesten. „Ambulante Strukturen“ und eine sinnvolle „Clusterbildung“ sind seine Lösungsworte. Kleiner wird die FU in zehn Jahren sein, mit noch 25 000 Studenten, aber internationaler, jung, dynamisch und flexibel.

Heik Afheldt war Herausgeber von „Handelsblatt“, „Wirtschaftswoche“ und des Tagesspiegel.

Dieter Lenzen ,

geboren am

27. November 1947 in Münster. Der

Professor ist

Präsident der Freien Universität Berlin,

Buchautor und

Reformator.

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