Digitale Bildung in Berlin : 2500 Minicomputer für Drittklässler

Schon Drittklässler sollen lernen, eigenen Code zu schreiben. Dafür werden 50 Grundschulen mit Mini-Computern ausgestattet.

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So sieht der Minicomputer Calliope aus. Foto: Stefan Hoederath/Google
So sieht der Minicomputer Calliope aus.Foto: Stefan Hoederath/Google

Es sind nur ein paar Klicks, und schon macht der kleine Computer, was Vivian will. „Hallo Frau Scheeres“, leuchtet als Laufschrift auf den Dioden der sechseckigen Platine. Es ist ein Minicomputer namens Calliope. Das achtjährige Mädchen hat ihn programmiert, nach nur drei Stunden Unterricht mit dem Gerät. Ihr Mitschüler Dominik, ebenfalls Drittklässler, lässt den Computer ein Musikstück abspielen: Die Melodie von „We are the Champions“ dudelt durch den Klassenraum der Alt-Lankwitzer Grundschule.

Dort stellte am Freitag Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ihr neues Projekt zur digitalen Bildung vor: 2500 der Mini-Computer werden an 50 Berliner Grundschulen verteilt. Mit diesen sollen schon Drittklässler spielerisch das Programmieren lernen. Partner sind das Unternehmen Google, das das bundesweite Projekt mit 500 000 Euro fördert, das Fraunhofer-Institut, das Lehrkräfte für den Einsatz von Calliope fortbildet, und das Berliner Start-up Calliope, das den Minicomputer entwickelt hat. Zur Leitung der gemeinnützigen GmbH gehört Gesche Joost, Internetbotschafterin der Bundesregierung und Professorin an der Universität der Künste.

"Einfach in den Ranzen werfen"

„Wir haben uns überlegt, wie ein Programmiercomputer beschaffen sein muss, damit er schon Drittklässler anspricht“, erzählt Joost. Robust muss die Platine sein – „so dass man sie auch mal einfach so in den Ranzen werfen kann“ – außerdem muss es einen Lautsprecher, ein Mikrofon, Sensoren und Anschlüsse geben. „Und dann haben wir uns in den Keller gesetzt und angefangen zu löten.“ Ein Grundschulleiter war als Berater dabei, Kinder testeten Zwischenergebnisse.

Im Saarland wurden bereits 3000 Schulen mit Calliopes ausgestattet, auch in Hamburg gibt es Projektschulen. Nun also Berlin. „Programmieren ist eine Ergänzung der traditionellen Kulturtechniken wie Lesen und Schreiben“, sagt Scheeres. „Das sind Kompetenzen, die später im Berufsleben erwartet werden.“ Perspektivisch soll das Projekt ausgeweitet werden, möglichst auf alle Grundschulen. Und generell soll mehr für die digitale Bildung getan werden – Medienbildung ist ein fester Bestandteil der neuen Rahmenlehrpläne. Auch andere Initiativen fördern die Programmierlust, zum Beispiel „Jugend hackt“ – Vertreter dieser Initiative stellten am Freitag Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ihre Ideen zur besseren digitalen Bildung vor.

"Die Kinder kapieren es sofort"

Und wie geht nun das Programmieren mit der sechseckigen Platine von Calliope? Außer dem Minicomputer braucht man eigentlich nur einen Computerzugang. Dann öffnet man in einem Browser die Programmierplattform „Open Roberta“. Dort findet sich ein Bedienmenü, mit dem Kinder wie mit einem Puzzlesystem eigene Programme erstellen – mit denen sie dann zum Beispiel die Leuchtdioden oder den Lautsprecher des Minicomputers ansteuern können. Fortgeschrittene können direkt im Code arbeiten.

Alle Dritt- und Viertklässler der Alt-Lankwitzer Schule sollen bald regelmäßig Unterricht mit Calliope haben. „Mir kam es bei der Fortbildung ja fast ein bisschen kompliziert vor“, sagt Lehrerin Philippa Wolff. „Aber die Kinder kapieren es wirklich sofort.“

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