Digitaler Fortschritt : Die Bahn testet digitale Technik im Nahverkehr

Fahrgäste können sich per App anzeigen lassen, wie voll der Zug ist - schon vor dem Einsteigen. Kostenloses W-Lan soll es in den Nahverkehrszügen auch geben.

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Auf vielen Bahnstrecken im Land gibt es schon W-Lan, jetzt auch im RE 3 und RE 5.
Auf vielen Bahnstrecken im Land gibt es schon W-Lan, jetzt auch im RE 3 und RE 5.Foto: dpa/Petersen

Nein, aufgefallen ist ihr nichts. Nur dass der Zug einen Wagen mehr hatte als sonst. Neue Anzeigen? Die Frau, die regelmäßig mit den Zügen der Linie RE 3 nach Berlin fährt, hat sie nicht gesehen, wie sie sagte. Dabei saß sie am Donnerstag im Premierenzug, in dem die Bahn jetzt ihren digitalen Fortschritt testen will: mit Anzeigen zur Besetzung der Wagen und mit W-Lan, das auch den Zugriff auf die RBB-Mediathek erlaubt. Ob die neuen Möglichkeiten zum Dauerangebot werden, soll sich bis Ende des Jahres entscheiden.

Fast 700.000 Euro hat die Bahn nach Angaben von Projektleiter Heinz Balters bisher in den Modellversuch gesteckt. Ausgestattet mit der neuen Technik sind zunächst elf Wagen, was für zwei Züge reicht, die nun auf den Linien RE 3 (Stralsund–Elsterwerda) und RE 5 Rostock/Stralsund–Wünsdorf-Waldstadt) eingesetzt werden sollen.

Der Clou: Schon zu Hause kann man per Gratis-App „Digital im Regio“ feststellen, wie voll es im ausgesuchten Zug ist, wenn dieser schon unterwegs ist. An dessen Türen registrieren Sensoren die Aus- und Einsteiger. Weil die Messung unterschiedliche Höhen registriert, kann es Menschen, Fahrräder, Kinderwagen und sogar Gepäck unterscheiden. Bei einem Rollstuhlfahrer werde es aber schon schwieriger, sagte ein Bahn-Mitarbeiter bei der Vorstellung des digitalen Regionalzuges am Donnerstag im Berliner Hauptbahnhof.

Sensoren messen, wie voll der Zug ist

Weil Sensoren auch an den Übergängen zwischen den Wagen angebracht sind, erkennt das System, wie viele Fahrgäste sich im jeweiligen Wagen befinden. „Sitzgenau“ wird allerdings nicht gemessen. In einem Fenster neben den Einstiegstüren zeigt ein kleines Display mit Balken an, wie voll der Wagen ist. Erfasst werden jeweils Fahrgäste und Fahrräder.

Im Endausbau könnten die Angaben auch auf die Anzeigetafeln im Bahnhof übertragen werden. Und farbig leuchtende Symbole auf dem Boden könnten ebenfalls den Weg zu freien Plätzen im Zug markieren. Einen Versuch mit dem „Leuchtbeton“ gibt es, wie berichtet, bereits in einem Gang im Anhalter Bahnhof.

Konkret ist in den beiden Zügen bereits das Gratis-W-Lan. Allerdings seien, wie im ICE, die Datenmengen pro Fahrgast begrenzt, sagte Balters. Fürs Arbeiten reiche die Kapazität aber. An etwa 90 Prozent der Strecken sei die Sendetechnik der Anbieter vorhanden.

Ein wenig denkt die Bahn bei dem Test aber auch an sich. Der „gläserne Zug“, wie Balters ihn nennt, soll auch den Werkstätten Daten über den technischen Zustand der Wagen übermitteln, sodass man im Werk schon im Voraus weiß, was repariert werden muss. So lassen sich kaputte Wagen schneller wieder einsetzen.

Verabschiedet hat sich die Bahn dagegen von der Idee, Sitzplatzreservierungen auch im Nahverkehr zu testen. Zu kompliziert, heißt es.

Nichts dagegen hat der Landesvorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Peter Cornelius. Wichtiger als die technischen Spielereien sei es, dass die Züge pünktlich fahren, sagte er. Zuletzt lag der Wert offiziell bei 95,1 Prozent.

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