Digitales Klassenbuch Berlin : Millionenverschwendung an Berliner Schulen

Berlins Schulverwaltung wollte mit elektronischen Klassenbüchern und einer Schülerdatei das digitale Zeitalter erreichen. Doch laut Rechnungshof ist das Ganze bislang nur eine große Geldverschwendung.

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Alles wie früher. Auch die neue Software für die Stundenplanerstellung ist nicht so nutzbar, wie gedacht.
Alles wie früher. Auch die neue Software für die Stundenplanerstellung ist nicht so nutzbar, wie gedacht.Foto: ddp

Entbürokratisierung, elektronische Klassenbuchführung, automatisierte Schülerdatei – alles sollte möglich werden durch das IT-Projekt „eGovernment@school“. Fünf Jahre nach seinem Start stehen die Schulen allerdings noch fast am Anfang. Grund genug für den Landesrechnungshof, das Projekt zu analysieren. Inzwischen wurde eine interne „Prüfungsmitteilung“ erstellt, die dem Tagesspiegel vorliegt. Der Bildungsverwaltung werden darin „schwerwiegende Fehler und Versäumnisse“ attestiert.
Der Umbau der Schulen von der analogen zur digitalen Arbeitsweise hatte hochfliegende Erwartungen geweckt. Griffige Vokabeln wie das „elektronisches Klassenbuch“ sollten deutlich machen, dass die Schulen auf dem Weg in die neue Zeit waren. Per Knopfdruck sollten die Lehrer fortan den Eltern mitteilen können, wenn ihre Kinder nicht in der Schule erscheinen. Auch die Erstellung von Stundenplänen – in großen Schulen eine Herkulesaufgabe – sollte einfacher werden. Über 61 Millionen Euro für Software und Hardware wurden von der Bildungsverwaltung veranschlagt. Das war 2009.

Über 60 Millionen Euro waren veranschlagt. Ein Großteil ist schon ausgegeben worden

Noch 2011 sprach Claudia Zinke (SPD), Bildungs-Staatssekretärin in der Zeit von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), davon, dass die Schülerdatei als „führendes System“ für die Lehrerbedarfsplanung aufzubauen sei. Dies galt auch noch, nachdem Zöllners Nachfolgerin Sandra Scheeres (SPD) ihr Amt angetreten hatte.

Im Widerspruch zum Projektauftrag habe die Bildungsbehörde „lediglich einen Anforderungskatalog ohne Wirtschaftlichkeitsprüfung und Risikoabschätzungen vorgelegt“, heißt es in der 22-seitigen Prüfmitteilung, die auf den 1. April datiert ist und an die Bildungsverwaltung übergeben wurde. Diese will die Darstellung des Rechnungshofes jetzt „auswerten und prüfen“, bevor sie sich dazu öffentlich äußert, hieß es auf Anfrage. Der Rechnungshof war am Freitag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Der Bericht ist angefüllt mit einer Liste von Versäumnissen

Zu den „wesentlichen Ergebnissen“, die die Prüfer zusammengetragen haben, zählt, dass die Senatsverwaltung bereits im Jahr 2010 mit der Umsetzung des IT-Projektes begonnen hat, „ohne die vorgeschriebene Hauptuntersuchung durchzuführen“. Dies habe zu „erheblichen finanziellen Nachteilen geführt“, da bereits beschaffte Hard- und Software einschließlich Landeslizenzen bisher nur von einem geringen Teil der Schulen genutzt werden kann. Mehrere Millionen Euro sind demnach als „finanzielle Nachteile“ zu verbuchen. Insgesamt wurden von 2009 bis Mai 2013 etwa 27,8 Millionen Euro ausgegeben, vermerken die Prüfer mit Hinweis auf entsprechende Unterlagen des Abgeordnetenhauses.


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