Digitales Stadtmagazin : "Mit Vergnügen" durch Berlin

Seit sieben Jahren führt „Mit Vergnügen“ durchs Berliner (Nacht-)Leben - zwischen schönen DJs, Wegbier und Katertipps.

Stefanie Golla
Vergnügte Gründer. Matze Hielscher (li.) und Pierre Türkowsky hatten die Idee zu „Mit Vergnügen“.
Vergnügte Gründer. Matze Hielscher (li.) und Pierre Türkowsky hatten die Idee zu „Mit Vergnügen“.Foto: Eye Candy/promo

Wer wissen will, was geht in Berlin, kann sich auf „Mit Vergnügen“ verlassen. Ein Blick auf die Website des digitalen Stadtmagazins genügt, um mindestens eine Idee für die Abendplanung zu bekommen. Stichprobe an einem Freitagabend im Juni: Empfohlen wird eine Ausstellungseröffnung am Moritzplatz, für alle, die „fremde Länder durch die Augen eines wirklich tollen Fotografen sehen“ wollen.

Und am Samstag? Sommer Open Air im Strandbad Jungfernheide. Auch an den Sonntag hat das Team von „Mit Vergnügen“ schon gedacht: Hinterhof Rave in Schöneberg, „wenn du am Wochenende noch nicht genug getanzt hast“. Wo es sich am besten tanzen lässt, das verrät die Liste mit den „11 schönen Clubs am Wasser“. Gleich daneben: Ein Rezept samt Videoanleitung für einen Gin Basil.

Klingt nach allem, was man für ein aufregendes Wochenende in Berlin so braucht – wenn man jung ist oder sich so fühlt und Angst vor Langeweile hat. Auch die Restaurant-Tipps für die Bekämpfung des unweigerlichen Katers nach dem Wochenende fehlen nicht.

Wie so viele Ideen, die Schule machten, wurde auch „Mit Vergnügen“ an einem Berliner Küchentisch geboren. Sieben Jahre ist das jetzt her. Die beiden damals 30-jährigen Matze Hielscher und Pierre Türkowsky kannten sich in der Musik- und Clubszene Berlins gut aus. Hielscher war Bassist der Indie-Band Virginia Jetzt!, Türkowsky reiste oft im Tourbus mit und arbeitete als Booker im Magnet Club und im mittlerweile geschlossenen WMF. Damit die partywilligen (Neu-)Berliner nicht vor dem Angebot der Clubs kapitulierten, sollte „Mit Vergnügen“ die Party-Auslese übernehmen: Welcher Club lohnt am meisten? Wer steht hinterm DJ-Pult? Wie kommt man am Türsteher vorbei? „Ich hab die Ideen, Pierre weiß, wie man sie umsetzt“, erklärt Matze Hielscher die Arbeitsteilung.

Tipps zu Negroni und Wegbier

Mittlerweile ist das Themenspektrum breiter als zu Beginn und „Mit Vergnügen“ wächst über Berlin hinaus. Es gibt Ableger in Hamburg und München, bald auch in Köln. Obwohl die Städte ihre spezifischen Eigenarten haben, ähnelt sich die Fangemeinde sehr. Die Mischung aus Event-Tipps, Gastro-Empfehlungen und Gedanken zum Leben an sich passt anscheinend zum Lifestyle von Studenten und Kreativen zwischen zwanzig und Mitte dreißig.

Statt ein reiner Informationskanal zu sein, gibt das Stadtmagazin Auskunft zu fast jeder Lebenslage: Wo gibt es die besten Negroni? Wie gehe ich mit depressiven Freunden um? Was sollte ich als Berlin-Tourist tunlichst vermeiden? „Red’ nicht über das Wegbier, trink’s einfach!“

Der Ton dabei ist stets locker, die Tipps werden für den Leser als praktische Listen aufbereitet: „21 ziemlich gute Tipps für den Frühling“, „11 Orte zum Frühstücken in Wilmersdorf“ und „Die 11 besten neuen deutschen Podcasts“.
Feiern und Partymachen sind zwar immer noch zentraler Bestandteil der „Mit Vergnügen“-Agenda, aber mittlerweile finden sich auch Kolumnen darüber, warum es keine Schande ist, die Party um halb eins zu verlassen (um fit für den Brunch zu sein). Auch das Thema Kinder taucht auf – wird „Mit Vergnügen“ also erwachsen?

Donnerstag feiert „Mit Vergnügen“ seinen siebten Geburtstag

Die Gründer, mittlerweile 37, sehen es so: „Wir sind zwar zwölf Jahre älter als unsere Zielgruppe, aber wir haben immer noch diesen Hunger auf die Stadt.“ Die Redaktion besteht aus genau jenen Twentysomethings, die sich angesprochen fühlen sollen. Familie ist da durchaus ein Thema, denn niemand will nur Party machen. Er oder sie sitzt auch gern im Café und liest Feuilleton, joggt zum Ausgleich durch die Stadtparks und hat auch mal schlechte Tage. „Authentizität spielt eine große Rolle“, erklärt Matze Hielscher die Philosophie. Und es scheint zu funktionieren – nach Angaben der Macher besuchen monatlich mehr als acht Millionen Nutzer „Mit Vergnügen“ auf Facebook, Twitter, Instagram und der Webseite.

Das ist natürlich auch für Unternehmen interessant, die an die junge, urbane Zielgruppe herankommen wollen und dafür nicht auf klassische Anzeigenformate zurückgreifen können. Native Advertising und Content Marketing sind daher Teil des Geschäftsmodells, soll heißen: Werbung ist von den redaktionellen Inhalten kaum zu unterscheiden.

Die Beiträge sind zwar als gesponsert gekennzeichnet, die Kleidung des Sportartikelherstellers aber überdeutlich im Bild, wenn die schönsten Laufstrecken durch Berlin vorgestellt werden. Was in Amerika längst gängig ist, wirkt auf das deutsche Publikum bisweilen noch befremdlich. Das Team von „Mit Vergnügen“ versucht einen Kompromiss bei der Auswahl der Werbepartner zu finden: „Wir machen ausschließlich, was zu uns passt.“

Das Stadtmagazin mit dem auffallend gelben Ballon im Logo prägt aber auch seinerseits das Stadtleben. „Mit Vergnügen“ hat die Partyreihe der „100 schönsten DJs der Stadt“ hervorgebracht, und den Berliner Kneipenchor gäbe es ohne Hielschers und Türkowskys Plattform auch nicht. „Wir hinterlassen Spuren immer dann, wenn Menschen durch uns eine gute Zeit in Berlin hatten“, sagen die beiden.

Eine weitere Gelegenheit dazu ergibt sich in der kommenden Woche: Am Donnerstag feiert „Mit Vergnügen“ seinen siebten Geburtstag im Funkhaus in der Nalepastraße, dem ehemaligen Funkhaus der DDR. Das Gelände am Spreeufer gegenüber dem Plänterwald hat sich nach Jahren im Dornröschenschlaf in den vergangenen Monaten zu einer neuen Eventlocation mit historischem Charme entwickelt. „Einer der schönsten Orte, die Berlin gerade zu bieten hat“, finden Matze und Pierre. Also genau die passende Location, um mit Vergnügen zu feiern.

Zur Geburtstagsparty am 22. Juni ab 20 Uhr im Funkhaus Berlin (Nalepastraße 18, Oberschöneweide) performen die „21 schönsten Sänger und Sängerinnen der Stadt“, darunter Mighty Oaks, Judith Holofernes, Balbina, Leslie Clio und Teesy jeweils einen Song. Weitere Informationen und Tickets (21 Euro) gibt es unter www.mitvergnuegen.com.

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