Dioxinskandal : Tonnenweise verseuchtes Fleisch nach Berlin geliefert

132 Tonnen Fleisch wurden aus Irland in die Region geliefert. Wie viel davon tatsächlich schadstoffbelastet ist, ist nicht geklärt. Überprüfen lässt sich das kaum mehr: Die nach Berlin gelieferte Ware ist wohl schon verbraucht worden.

Sigrid Kneist

Auch nach Berlin und Brandenburg ist Dioxin-belastetes Schweinefleisch aus Irland geliefert worden. Wie die Berliner Senatsgesundheitsverwaltung am Mittwoch mitteilte, sind seit September über Firmen in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und später Brandenburg insgesamt 87,1 Tonnen irisches Fleisch nach Berlin geliefert worden. Wie viel davon tatsächlich schadstoffbelastet ist, ist nicht geklärt. Betroffen sind Fleisch verarbeitende Betriebe in Tempelhof-Schöneberg, Spandau und Reinickendorf. Nach Brandenburg gelangten laut Verbraucherschutzminister Dietmar Woidke (SPD) rund 45 Tonnen Fleisch. Auch wenn nach Angaben des Bundesministeriums für Verbraucherschutz bei einem „zeitlich begrenzten“ Verzehr keine unmittelbare Gesundheitsgefahr besteht, darf Fleisch, das Schadstoffhöchstgrenzen überschreitet, nicht in den Handel kommen. Irland hatte am Wochenende eine Rückrufaktion für Schweinefleisch gestartet.

Laut der Sprecherin der Berliner Gesundheitsverwaltung, Marie-Luise Dittmar, ist nicht auszuschließen, dass das nach Berlin gelieferte Fleisch bereits verbraucht wurde. Sollten die Lebensmittelkontrolleure noch Bestände finden, würden sie umgehend sichergestellt. In Brandenburg wurden nach Ministeriumsangaben bisher 24 Tonnen Fleisch beschlagnahmt – 19 Tonnen in einem Kühlhaus im Havelland, gut 800 Kilo in einer Firma im Kreis Oberhavel sowie vier Tonnen in einem Betrieb im Kreis Dahme-Spreewald. Dort waren weitere 21 Tonnen schon vor der Rückrufaktion wegen Qualitätsmängeln wieder zurückgeschickt worden.

Die Mitarbeiter der Lebensmittelaufsicht und des Veterinäramtes in Tempelhof-Schöneberg waren am Mittwoch in den zwei im Bezirk betroffenen Unternehmen unterwegs, sagte Bezirksstadtrat Oliver Schworck (SPD). Bis zum Nachmittag wurde kein Fleisch gefunden. Sollte es nicht zu anderen Fleischwaren, etwa zu Würsten oder Fertiggerichten, verarbeitet worden sein, ist laut Schworck die Möglichkeit gering, etwas zu entdecken. Auch die Reinickendorfer Lebensmittelkontrolleure überprüften die Lieferlisten eines Betriebs. „Das Informationssystem funktioniert“, sagte Stadtrat Andreas Höhne (SPD). Es gebe ein berlinweit einheitliches Vorgehen.

Gefunden wurde nichts. Unterdessen forderte die Berliner Verbraucherzentrale mehr Transparenz. Die Behörden sollten die Namen von Produkten und Herstellern so schnell wie möglich veröffentlichen, damit die Verbraucher reagieren können. Die Dioxin-Rückstände, die die zugelassenen Werte um das bis zu 200-Fache überschritten, führen die irischen Behörden auf verseuchtes Tierfutter zurück. Die EU-Lebensmittelbehörde EFSA sieht keine gesundheitlichen Risiken. „Auch ein täglicher Konsum von Schweinefleisch mit den höchsten jetzt festgestellten Werten des Giftes würde keine gesundheitlichen Nebenwirkungen provozieren“, erklärten deren Fachleute.

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