Berlin : Diplomatenfrauen: Auf dem Weg zur Macht

Elisabeth Binder

Mag sein, dass die Spezies der hauptberuflichen Ehefrau gefährdet ist. Die Lebenspartnerinnen von Diplomaten haben aber oft kaum Alternativen, denn sie müssen alle vier Jahre den Ort wechseln und sind der Sprache des Gastlandes nicht unbedingt mächtig. Für diese Frauen gibt es den Diplomatenclub beim Auswärtigen Amt "Willkommen in Berlin". Mehr als 400 Frauen sind darin zusammengeschlossen; sie treffen sich unter der Regie von Mania Feilcke in 30 Arbeitsgruppen, um diversen Interessen (Literatur, Theater...) nachzugehen.

Zum Jour Fixe sprach die Hamburger Justizsenatorin Lore Maria Peschel Gutzeit über das Thema "Gleichberechtigt - aber auch gleichgestellt?" Kein Wunder, dass sich besonders viele Frauen im Hotel Palace zusammengefunden hatten, auch aus Ländern, in denen dieses Thema eine andere Wertigkeit besitzt. Die Israelin Carmela Stein war unter anderem dabei, die Saudi-Araberin Najdiah Ghazzawi, die US-Amerikanerin Joy-Marie Snell und die Japanerin Noriko Nomura, außerdem Monika Diepgen und Frauen, die dem Auswärtigen Amt verbunden sind.

Der von großer Detailkenntnis geprägte Vortrag provozierte oft genug überraschtes Lachen und machte klar, dass auch hierzulande die Gleichstellung noch nicht sehr alt ist. Noch vor weniger als fünfzig Jahren gab es Gesetze, die zum Beispiel einer Frau mit dem Tag der Eheschließung die Verfügungsgewalt über ihr eigenes Vermögen nahmen, die es dem Mann erlaubten, den Job seiner Frau ohne ihre Einwilligung zu kündigen. Lore Maria Peschel-Gutzeit, selbst Mutter von drei Kindern, war an vielen grundlegenden Verbesserungen zur Gleichstellung von Frauen selbst beteiligt, unter anderem hat sie mit der sogenannten "Lex Peschel" wesentlich dazu beigetragen, dass Beamtinnen und Richterinnen, ihre Tätigkeiten auch in Teilzeit ausüben können. Die meisten Fragen in der anschließenden Diskussion galten Problemen der Unterbringung von Kindern, wobei die Senatorin ein eindeutiges Plädoyer für die berufstätige Mutter ablegte.

Beim Frühstück muss dann aber doch noch eine Frage nach der weiteren Karriere der Hamburgerin gestattet sein, die in letzter Zeit auch hier häufiger als mögliche SPD-Spitzenkandidatin gehandelt wurde. "Das heißt, die Tapeten für ein Haus aussuchen, für das noch gar kein Bauantrag gestellt wurde", wehrt sie diplomatisch ab, setzt aber ermutigend hinzu. "Aber ich liebe die Stadt und meine Freunde, und die Wohnung habe ich auch noch."

Ach ja, ein Club-Mitglied fehlte. Shawne Borer-Fielding hat im Moment für die Theorie keine Zeit; sie praktiziert die Gleichstellung allein zu Haus.

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