Diplomatenviertel : Urlaub am Zoo - vor fünf Jahren

Vor fünf Jahren Mitten in die Marktlücke: Dänische Gesandtschaft wurde ein kleines Luxushotel. Was Bernd Matthies darüber schrieb.

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Alte Fassade, neuer Kern. Die Dänische Gesandtschaft zwischen Zoo und Neuem See wird zum Luxushotel umgebaut. Links das Entrée, rechts die vordere Fassade, an die sich hinten ein eckiger Neubau anschließt. Fotos: promo
Alte Fassade, neuer Kern. Die Dänische Gesandtschaft zwischen Zoo und Neuem See wird zum Luxushotel umgebaut. Links das Entrée,...

Das Hotel hat einen komischen Namen, 23 verschiedene Zimmergrundrisse, und von vielen Fenstern aus kann man Przewalski-Pferde und Strauße sehen. Die Einmaligkeit des Projekts ist mithin gewährleistet. Es dauert allerdings noch ein paar Monate, bis alles auch wirklich fertig ist, denn dieser Tage war gerade erst Richtfest im Berliner Luxushotel „Das Stue“, das in der ehemaligen dänischen Gesandtschaft am Tiergarten untergebracht ist und drei Investoren aus Spanien, Andorra und Panama gehört.

Ein bisschen verrückt, das alles. Um nun der Reihe nach Ordnung hineinzubringen: „Stue“ ist Dänisch und heißt „Stube“. Das Wort soll einen Hauch von Gemütlichkeit anklingen lassen – doch dabei ist weniger an Filzpantoffeln gedacht als an die Abwesenheit der formellen Kühle, die viele edle Hotels mit sich herumschleppen. „Wir wollen, dass sich unsere Gäste wie zu Hause fühlen“, sagt Gründungsdirektor Sven Brunssen.

Das sagen alle Hoteldirektoren, doch wenige haben ein Haus mit so guten Voraussetzungen wie er. Das „Stue“ ist gezielt in eine Marktnische geplant worden. Der internationale Terminus für diese Art Hotel lautet „Boutique Hotel“ – eher kleine, sehr komfortable City-Häuser mit hohem Anspruch an individuelles Design, privat geführt, eben das Gegenteil eines großen Business-Hotels und somit eher für Touristen geeignet. Diese Sparte blüht in allen Großstädten der Welt, seltsamerweise aber nicht in Berlin. Hier gibt es bislang nur den Brandenburger Hof und, weit draußen, das Schlosshotel Grunewald. „Deshalb“, sagt Brunssen, „rechnen wir uns trotz des umkämpften Berliner Marktes gute Chancen aus“.

Das neoklassizistische Gebäude wurde zwischen 1938 und 1940 nach Plänen von Emil Schaudt ins Diplomatenviertel am Tiergartenrand gesetzt. Nach dem Krieg diente es erst als Militärmission, dann als Konsulat. 1977 verkaufte Dänemark es an die Neue Heimat, in deren Besitz es brachlag. Nach der Restaurierung 1987 diente es der Telekom als Führungsakademie und stand seit 2005 leer.

Als Hotelstandort ist das Gebäude nahezu ideal geeignet, es liegt nahe an der West-City, aber doch sehr ruhig mitten im Grünen, unmittelbar angrenzend an die Zoo-Erweiterung. Die spanischen Investoren, die insgesamt rund 37 Millionen Euro ausgeben wollen, haben für das neue Berliner Haus eigens die Marke Whim Hotels gegründet. Sie planen zehn bis 15 weitere Häuser unter diesem Label, konkrete Projekte gibt es aber nicht.

Das Berliner Haus besteht aus zwei Teilen: dem halbrunden Altbau, der gegenwärtig restauriert wird und im Erdgeschoss Raumhöhen bis zu fünf Metern ermöglicht, und einem Neubau, der im Garten auf der Rückseite hochgezogen wurde. Viele der 82 Zimmer erlauben durch große Glasflächen schöne Ausblicke auf Zoo und Tiergarten. Die Architektin Annette Axthelm aus Potsdam hat nahezu jedes Zimmer individuell gestaltet; da die historische Inneneinrichtung nicht mehr existiert, waren die Auflagen des Denkmalschutzes minimal.

Bei der modern ausgerichteten Innengestaltung sind Anklänge an das skandinavische Design des mittleren 20. Jahrhunderts spürbar. Die Wellnessabteilung mit Sauna und Innenpool wird von einem spezialisierten Berliner Betreiber geführt. Für die Küche haben die Betreiber den spanischen Sternekoch Paco Perez als Inspirator gewonnen. Er kocht nicht selbst, soll aber die Karte konzipieren und regelmäßig nach dem Rechten sehen.

Die Eröffnung ist für den 15. Dezember vorgesehen. „Wir haben einen langem Atem“, sagt Brunssen, der schon in mehreren Berliner Hotels gearbeitet hat, „und wir werden uns an Preiskämpfen nicht beteiligen“. Ein neuer Mitspieler in der Topkategorie, gekommen, um zu bleiben. Man spricht den Namen übrigens „stu-e“ aus. Bernd Matthies

Der Beitrag erscheint in unserer Rubrik "Vor fünf Jahren".

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