Berlin : Diplomatie zwischen Australien und Antarktis

Die Bundesregierung lässt bitten: Das neue Gästehaus, die Villa Borsig, ist restauriert. Künftige Botschafter werden in den Neubauten daneben ausgebildet. Die sind nach Kontinenten benannt

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Helmut Kohl hatte es sich so schön vorgestellt: Von seiner Dienstwohnung im Park der Villa Borsig hätte der Kanzler nur wenige Minuten gebraucht zum Gästehaus der Bundesregierung, um etwa den französischen Staatspräsidenten Francois Mitterand zu treffen. Und beim Frühstück hätten die beiden mit Blick auf den Tegeler See über die Zukunft Europas sinnieren können. Nun wird der neue Außenminister Frank-Walter Steinmeier in der Villa Borsig Gäste der Bundesregierung begrüßen. Vor allem Ministerkollegen aus dem Ausland werden es sein, denn die einstige Villa der Industriellenfamilie ist nun offiziell das Gästehaus des Auswärtigen Amtes. Steinmeier wird auch künftige Diplomaten der Bundesrepublik willkommen heißen. Denn in den Park zieht die Ausbildungsakademie des Außenministeriums.

Die Bauarbeiter sind fast fertig. 25 Millionen Euro hat sich der Bund die denkmalgerechte Restaurierung und den Ausbau der alten Häuser und die Neubauten auf der Halbinsel Reiherwerder kosten lassen. Noch planieren Arbeiter die Wege und installieren Laternen. Doch die Apartmenthäuser und Seminar-Neubauten nach den Entwürfen des Büros Weitz und Sting sind fertig.

Die Bauleitung unter der Aufsicht des Bundesbauamtes hat nach eigenen Angaben bislang sogar weniger Geld ausgegeben als geplant. Deshalb können die Schäden, die durch den Brandanschlag auf den Seepavillon entstanden sind, ebenfalls größtenteils mit der Summe behoben werden. „Wir werden am Ende nur etwas über den 25 Millionen Euro liegen“, sagt Bauamts-Sprecher Bernhard Elias. Etwa ein Drittel des ehemaligen Pavillon du Lac, der jetzt Seepavillon heißt, sei durch den Anschlag im Oktober in Mitleidenschaft gezogen. Die Ermittlungen laufen noch, und ein Gutachter erstellt eine Bilanz, wie teuer die Reparaturen tatsächlich werden.

In den Pavillon wird die Kantine der Außenamt-Akademie ziehen, die auch für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Der Pavillon liegt noch vor dem hermetisch abgeriegelten Park. Zu ihm haben nur Minister, Diplomaten, und solche, die es werden wollen, Zutritt. Und natürlich der Biber, der am Ufer seinen Bau errichtet hat.

Weitz und Sting haben auf Reiherwerder den wohl schönsten Campus Berlins errichtet. Ihr Seminargebäude ist sachlich und nüchtern. Unten befinden sich sieben Hörsäle, oben neun Sprachlabore und eine kleine Bibliothek. In den drei Apartmenthäusern finden bis zu 200 Auszubildende Platz. Knapp 20 Quadratmeter messen ihre Zimmer, Bad inklusive. Gekocht wird in einer Gemeinschaftsküche auf dem Flur. Der Leiter der Akademie wird in der alten Villa der Familie Borsig wohnen, also in dem Bau, den sich Helmut Kohl einst als Dienstwohnung vorgestellt hatte. Und im ehemaligen Gärtnerhaus werden die künftigen Diplomaten ihre Prüfungen ablegen.

Jedes Haus im eingezäunten Park ist nach einem Kontinent benannt. Die Pförtner sitzen zwischen Australien und der Antarktis, gelernt wird in Europa, gewohnt in Amerika, Asien und Afrika. Die Prüfungen werden jedoch in Ippendorf abgelegt – das Haus erhält den Namen des Ortes bei Bonn, in dem die Akademie des Auswärtigen Amts bislang stand. Im November brach sie dort die Zelte offiziell ab, in den nächsten Wochen geht die Ausbildung auf Reiherwerder weiter.

Nur die Villa behält ihren Namen: Borsig. Sie ist schon möbliert, als würde der erste Minister auf Arbeitsbesuch gleich vorfahren. Im ersten Stock ist das Gästebett bereitet, alles ist neu, nur die grünen Fliesen im Badezimmer nicht. Sie sind 90 Jahre alt – Ernst von Borsig hatte sie selbst ausgewählt. Das getäfelte Kaminzimmer ist ideal für vertrauliche Gespräche in kleiner Runde. „Die Villa Borsig bietet sich für kleine Konferenzen oder bilaterale Konsultation an“, sagt Michael Ebel, Sprecher des Auswärtigen Amtes.

Frank-Walter Steinmeier hat ein repräsentatives Konferenz- und Gästehaus bekommen. Hier finden zwei Delegationen bequem Platz.

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