Berlin : Direkt durch oder doch drum herum

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Welch ein Hick-Hack. Zu, ein bisschen auf, zu, weiter auf, erneut zu. Seit am Brandenburger Tor die Mauer weg ist, wird gestritten, wer durch’s Tor darf – nur Fußgänger und Radfahrer oder auch Busse und Taxis oder (fast) alle Autos. Jetzt muss wieder eine Entscheidung fallen, denn spätestens zum 3. Oktober soll das Tor saniert und der Pariser Platz fertig gepflastert sein. Nur so lange sollte das Tor für den allgemeinen Verkehr gesperrt sein, hatte Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) angekündigt. Jetzt haben die Fraktionsvorsitzenden von SPD und PDS, Michael Müller und Harald Wolf, vorgeschlagen, Privatautos auf Dauer von der Durchfahrt auszuschließen, was bereits zu heftigen Protesten geführt hat.

Ob die Autos durch das Tor fahren oder ob sie es weiträumig umkurven, wird eine politische Entscheidung sein. Für den Verkehr ist die Durchfahrt nicht zwingend erforderlich; darin sind sich fast alle Experten einig. Das Tor bleibt so oder so ein Engpass, es kann stets nur einen geringen Teil des Verkehrs durch lassen. Auch Alexander Kaczmarek, verkehrspolitischer Sprecher der CDU und Befürworter der Durchfahrt für alle Autos, sieht darin vor allem einen Symbolwert.

Gegner der Öffnung verweisen darauf, dass der neu gestaltete Pariser Platz nur ohne Verkehr für Fußgänger zu einem Erlebnisort werden könne. Ausnahmen soll es nur für Busse und Taxis geben. Auch die meisten Anwohner des Pariser Platzes haben sich dafür ausgesprochen, den Durchgangsverkehr zu verbannen.

Einstige Pläne, das Tor eng zu umfahren, wurden durch die Bebauung bis unmittelbar an das Torensemble heran Makulatur. Und der Vorschlag der damaligen Bundesbauministerin Irmgard Schwaetzer von 1993, das Tor in einem Tunnel zu unterqueren, war schnell in der Versenkung verschwunden.

Das seit dem 3. Mai geltende Durchfahrtsverbot hat nach Angaben der Polizei zwar zu mehr Verkehr auf den umliegenden Straßen geführt, einen Stillstand habe es aber nur selten gegeben.Klaus Kurpjuweit

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