Berlin : Direkt ins Herz geblickt

Concha Buika liebt Flamenco und Jazz Am Donnerstag singt sie in der Passionskirche

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Concha Buika sang schon mit Nelly Furtado. Ein Star will sie aber nicht sein. Foto: promo
Concha Buika sang schon mit Nelly Furtado. Ein Star will sie aber nicht sein. Foto: promo

Als Concha Buikas Freunde in ihrem Wohnort Madrid hören, dass die Sängerin erstmals in Berlin auftreten wird, sind sie begeistert. „Unter den Spaniern ist Berlin nämlich für seine Offenheit und Kulturbegeisterung berühmt“, erzählt Buika und zündet sich eine neue Zigarette an. Das Rauchverbotsschild an der Tür ihres Hotelzimmers in Mitte hat die 37-Jährige vermutlich ganz einfach übersehen. Oder dient die Zigarette dazu, die tiefe, rauchige Stimme der Flamenco- Jazz-Sängerin zu pflegen? „Nein, nicht wirklich“, lacht Buika das warme, laute, entwaffnende Lachen, das viele ihrer Sätze begleitet. „Ich bin bloß ein sündiger Mensch – wie wir alle. Mit Schwächen und Fehlern und einem manchmal wild und heiß klopfenden Herzen.“

Einer ihrer Fans, der spanische Regisseur Pedro Almodóvar, äußert sich ähnlich über Buikas aktuelle CD „El último trago“. Auf „Der letzte Drink” sind vor allem klassische Rancheras zu hören, die schon die legendäre mexikanische Sängerin Chavela Vargas interpretiert hat, die Buika als ihr musikalisches Patenkind bezeichnet. Almodóvar sagt: „Buikas Lieder bringen uns an Orte, an denen wir mit unserer persönlichen Geschichte der Liebe konfrontiert werden. Dahin, wo unsere Fehler am deutlichsten vor uns stehen.“ Doch sei das nicht schlimm: Mit Buikas Stimme im Ohr sei man bereit, diese Fehler lustvoll immer wieder aufs Neue zu begehen. Wenn Almodóvar zudem empfindet, dass die Sängerin ihren Zuhörern direkt ins Herz blicken könne, deckt sich dies auch mit den Intentionen der Künstlerin. „Ich lausche vor allem meinen Gästen und versuche, ihre Gefühle in der Musik zu transportieren“, sagt Buika. Daher wisse sie gar nicht, wie ihr von Piano, Bass und Perkussion begleiteter Auftritt am Donnerstag in der Passionskirche genau ablaufen wird. Spontaneität und Improvisation seien ihr bei einem Auftritt am wichtigsten.

Ihre Eltern stammen aus Äquatorialguinea, irgendwann sind sie gemeinsam nach Mallorca ausgewandert, wo Concha Buika 1972 geboren wird. Dort wächst sie unter sieben Geschwistern, „die eine Hälfte ist wie Greenpeace, die andere wie die Army“, und mit Roma auf, die sie früh in Kontakt mit der Flamenco-Tradition bringen. Als Mädchen trommelt sie gern. Später fängt sie an, elektronische Musik zu komponieren und Jazz, Soul und Hip-Hop zu singen. Bereits mit ihrem zweiten Album „Mi niña lola“ kann sie große Erfolge feiern und erhält dafür 2007 in Deutschland den Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik. Der Nachfolger „Niña de fuego“ öffnet Buika die Türen ins Ausland weiter, so dass es 2009 unter anderem zu einer Zusammenarbeit mit Nelly Furtado kommt.

Doch trotz der Freude über ihre Erfolge will die Sängerin kein Star sein. „Das wärmt dich nicht“, sagt sie. Sie sei nur ein Arbeiter und nichts weiter. Zum Abschluss des Gesprächs hat sie noch eine überraschende Bitte: Sie würde gern ein Foto machen. Nicht von sich allein, sondern zusammen mit ihrem Gesprächspartner, erklärt sie und reicht ihrer Managerin eine Kamera. „Ich möchte mich an die Menschen, die ich treffe, erinnern können“, sagt Buika. Dann nimmt sie die erstaunte Journalistin in ihre weit geöffneten Arme und lacht herzlich ein raues „Goodbye“. Eva Kalwa

20.5., 20 Uhr. Passionskirche, Marheinekeplatz 1. Karten kosten 29 Euro.

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