Discount-Apotheke : Rabatt auf den Schmerz

Billiger heilen: Am Ostpreußendamm in Lichterfelde öffnete die erste Berliner Easy-Apotheke. Mit Preisen bis zu 50 Prozent unter der Herstellerempfehlung lockt die Discount-Apotheke.

Heidemarie Mazuhn
Apotheke
Hauptsache schrill: An die Farbgebung der neuen Apotheke muss man sich erst gewöhnen.Foto: Uwe Steinert

„Sie müssen an der Giesendorfer Straße aussteigen.“ Die alte Dame im 186er-Bus wusste schon genauestens Bescheid. Und zu verfehlen war die neue Easy-Apotheke am Ostpreußendamm 139 in Lichterfelde auch wirklich nicht. „Hier geht es zu Preisen, die kaum wehtun“ – ein verbundener Finger auf einem Plakat am Bürgersteig wies zur Discount-Apotheke. In einem der Schaufenster wurde gar „Erste Hilfe gegen Apotheken-Preise“ versprochen.

Eine Apotheke für den kleinen Geldbeutel will man sein – und dies nicht nur mit einzelnen Angeboten. „Alle unserer etwa 62 600 Arzneimittel und sonstigen in einer Apotheke gehandelten Produkte im rezeptfreien Segment sind bis zu 50 Prozent preiswerter als anderswo“, sagte Apothekerin Elke Bohlen.

Mit der Easy-Apotheke wagte sich die 38-Jährige in die unternehmerische Selbstständigkeit. Wie ihre neun Mitarbeiter ist sie in ein neongrünes Poloshirt gekleidet, mit rotem Apothekerzeichen und dunkelblauem Firmenschriftzug. Mit dem in Lichterfelde gibt es deutschlandweit mittlerweile sieben solcher Häuser – in Berlin selbst soll bereits am 17. August am S-Bahnhof Hohenschönhausen das nächste eröffnet werden. Ausgedacht hat sich das Konzept die Easy-Apotheken Kooperationsgesellschaft in Hildesheim.

Wie in einem Supermarkt kann der Kunde in der Easy-Apotheke einkaufen. Was er spart, liest er auf dem Preisschild – bei einem bekannten Schmerzmittel sind das tatsächlich 50 Prozent, und auch ein gängiges Antiallergikum geht zur Hälfte des vom Hersteller empfohlenen Preises über den Ladentisch.

Günstige Mieten in Neubauten, Cityrandlagen oder Fachmarktzentren, der Verzicht auf apothekenübliche Zugaben wie Proben, Rabattkarten, Kalender und die Kundenzeitschrift „Apotheken-Umschau“ gehören unter anderem zu den preissenkenden Faktoren, die Oliver Blume, einer der beiden Hildesheimer Geschäftsführer, zur Eröffnung in Lichterfelde anführte.

„Wir bieten natürlich auch keine Ladeneinrichtung aus Palisander“, sagte der bald 42-jährige Erfinder der einheitlich in Neongrün und Blau gestalteten Easy-Apotheken und präsentierte dann deren technisches Herzstück – den „Mach4EasyMat“. Das Computerprogramm erspart der Apothekerin Elke Bohlen und ihren Kollegen bei Rezeptvorlagen den sonst üblichen Weg zu den Arzneien in hohen Regalschüben. Am Beratungstresen fordert sie per Computer das Medikament an. In weniger als zehn Sekunden hat sie es – Zeit, die auch für den Kunden bleibt.

Wie sein 33-jähriger Mitgesellschafter Jörg Paulmann ist Blume vom Erfolg des pharmazeutischen Discountprinzips überzeugt, das die beiden gebürtigen Hannoveraner in den nächsten Jahren mit mehreren 100 Systemapotheken etablieren wollen – in Berlin in diesem Jahr außer in Lichterfelde und Hohenschönhausen auch in Wilmersdorf und Lichtenberg.

Die alte Dame, die im Bus den Weg zur ersten Berliner Easy-Apotheke gewiesen hatte, freute es vor allem, dass es in ihrer Nähe nun überhaupt eine Apotheke gibt. Das Leben der Alten dort sei schwer genug – sie wohne eine Busstation weiter in einem Seniorenwohnhaus in der Celsiusstraße, dort gebe es inzwischen weit und breit zum Einkaufen nichts mehr.

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