Diskussion : "Kein Grund zu viel Sorge bei Büros und Wohnungen"

Tagesspiegel Treffpunkt Immobilien: Experte Wulff Aengevelt sieht weiter gute Chancen für Berlin auf dem Deutschen Immobilienmarkt. Knapp 150 Experten tauschten sich im Ritz Carlton über die aktuelle Situation aus.

Kerstin Heidecke
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Immobilien-Experte Wulff Aengevelt (l.) und Gerd Nowakowski, Leiter der Tagesspiegel-Berlin-Redaktion. -Foto: Mike Wolff

Die Nachricht ging runter wie Öl: „Finanzkrise ist nicht gleich Immobilienkrise. Das gilt zumindest für Berlin.“ Das sagte Wulff Aengevelt gestern Abend beim „Treffpunkt Immobilien“ des Tagesspiegels. Knapp 150 Experten der Branche waren der Einladung ins Hotel Ritz Carlton gefolgt. Aengevelts Vortrag hieß dann auch „Krise als Chance – Die Rolle Berlins auf dem Deutschen Immobilienmarkt“.

Seine optimistische Prognose belegte der international tätige Immobilienmakler, der als ausgewiesener Experte gilt, mit etlichen Marktdaten für Büroflächen, Einzelhandelsflächen und Wohnimmobilien. So stellte Aengevelt für Berliner Büroflächen stabile Zahlen in Aussicht Objekte mit einer Gesamtfläche von 450000 Quadratmetern würden 2009 voraussichtlich den Mieter wechseln. Der Leerstand werde nur gering zunehmenund das Mietniveau sich in guten Lagen stabilisieren. Seine Begründung: Der Büromarkt ist in der Hauptstadt im Gegensatz zu anderen Städten „gesund verteilt“. Keine Branche dominiere. Und dass es alle wirtschaftlich gleichermaßen übel erwischt, sei unwahrscheinlich.

„Man kann nicht jedes Jahr im Lotto gewinnen“, kommentierte der Fachmann den Einbruch der Zahlen von 2007 auf 2008. Er führt die jüngste Entwicklung weniger auf die Finanzkrise zurück als auf zyklische Schwankungen.

Auch wenn „vier bis fünf harte Quartale vor uns liegen, es gibt keinen Grund schlecht gelaunt zu sein.“ Berlin habe im bundesdeutschen Vergleich die besten Chancen. Aengevelts Powerpointfolie mit den „Big Seven“ Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart zeigte, wo in der Hauptstadt noch Luft ist. Hier gab es laut Aengevelt zwar in den vergangenen Jahren mit Abstand die meisten Verkäufe. Aber Berlin habe die niedrigsten Wohnungsmieten und Kaufpreise. Und überhaupt: Bei einer Eigentumsquote von gerademal 14 Prozent müsste man doch den einen oder anderen Berliner zum Notar bekommen. Zumal Berlin eine Stadt mit vielen jungen Leuten sei, die erstmals eine Immobilie anschaffen wollen.

Berlin habe riesigen Nacholbedarf beim Energiesparen am Bau und bei altersgerechten Wohnungen. „Ein Mädchen, das heute geboren wird, hat gute Chancen 104 zu werden. Da möchte sie dann sicher auch barrierefrei wohnen.“

Optimistisch stimmt Wulff Aengevelt auch das gute Image der Stadt. „Berlin hat Hauptstadtbonus, ist bundesweit Nummer Eins im Tourismus-, Kultur- und Kongressmarkt.“ Die Hauptstadt entwickele sich zum beliebten Testmarkt für neue Konzepte und Produkte.

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