Diskussion mit Cem Özdemir in Berlin : Junge Deutschtürken wollen mitreden

Jungdiplomaten wollen Deutsche, Türken und Deutschtürken zusammenbringen. Sie sagen: Es besteht Gesprächsbedarf.

Lea Diehl
Cem Özdemir (l) mit Moderatorin Lydia Drews und Jungdiplomat Tayyib Demiroglu.
Cem Özdemir (l) mit Moderatorin Lydia Drews und Jungdiplomat Tayyib Demiroglu.Foto: Lea Diehl

Tayyib Demiroglu ist Deutschtürke, 22 Jahre alt und Jungdiplomat. Er hat Betriebswirtschaftslehre studiert, unter anderem in Hongkong. Jetzt arbeitet er bei Daimler. 2016 gründete er den Verein „Deutsch-Türkische-Jungdiplomaten“. Demiroglus Devise: Wir müssen reden. Mit dem Verein möchte er „bilaterale Beziehungen“ stärken.

Deutschtürken als Bürger zweiter Klasse?

Bei der Veranstaltung „Partizipation oder Isolation: Junge Deutschtürken als Bürger zweiter Klasse?“ der Schwarzkopf-Stiftung saß er auf dem Podium. Sein Gesprächspartner: Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir.

Ob Deutschtürken Bürger zweiter Klasse sind? Demiroglu sagt: „Ja, aber das muss nicht sein.“ Wie sich das ändern kann? Bildung sei die „alles entscheidende Frage“, sagt Özdemir. Dass Kinder mit türkischen Eltern benachteiligt würden, zeige sich oft schon in der Grundschule.

Miteinander reden

Demiroglu fordert, es müsse mehr Austausch mit Politikern geben. Wichtig sei: „Mit Deutschtürken sprechen anstatt über sie.“ Der Jungdiplomat ist überzeugt: „Weil sich manche in der Politik nicht repräsentiert fühlen, schauen sie Richtung Türkei.“

Deutschtürken müssten sich stärker mit der Politik in Deutschland identifizieren können. Özdemirs Mission: „Ich will, dass Jugendliche merken, dass die Musik hier spielt.“

Staatsbürgerschaft: ein emotionales Thema

Aber dafür die doppelte Staatsbürgerschaft aufgeben, wie seit dem Türkeireferendum vermehrt gefordert? Demiroglu versteht die doppelte Staatsbürgerschaft als Teil eines „transnationalen Lebensentwurfs“.

Deutschtürken zwischen beiden Staatsbürgerschaften wählen zu lassen, lehnt er ab. Özdemir erklärt: Wichtiger als die doppelte Staatsbürgerschaft sei das Geburtsrecht. Eine aufgebrachte Deutschtürkin aus dem Publikum sagt, die Formel „wer hier ist, ist deutsch“, verstünden viele Kinder türkischer Eltern falsch. „Sie denken, dass man ihnen ein Teil ihrer Identität nehmen will.“

Kontakt: tayyib.demiroglu@dt-jungdiplomaten.org; schwarzkopf-stiftung.de

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