Diskussion über Wasserprivatisierung : Künast muss Kritik vom Wassertisch einstecken

Renate Künast diskutiert in Zehlendorf über die Privatisierung des Berliner Wassers. Die Grünen hätten den Wassertisch-Volksentscheid nicht genügend unterstützt, kritisieren die Aktivisten.

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In Japan droht die nukleare Katastrophe, in Deutschland ist der Atomausstieg plötzlich doch wieder näher gerückt: An einem Tag wie diesem, so darf man annehmen, fällt es Renate Künast vermutlich schwer, sich auf Details der Berliner Landespolitik zu konzentrieren. „Ich muss jetzt erstmal den Schalter im Kopf umlegen“, sagt sie, als sie am Dienstagabend auf dem Podium im Zehlendorfer Bali-Filmtheater Platz nimmt. Bis kurz vor Veranstaltungsbeginn war fraglich, ob sie den Termin nicht doch noch absagt. Aber sie kommt, um mit Markus Henn vom Berliner Wassertisch und Stefan Richter, Geschäftsführer der Grünen Liga, über die Privatisierung des Wassers zu diskutieren.

Renate Künast will schließlich im September zur Regierenden Bürgermeisterin gewählt werden – und Wasser, das ist spätestens seit dem Erfolg des Volksentscheids zur Offenlegung der Verträge über die Teilprivatisierung eines der Top-Themen der Stadt. Bevor Künast zur Diskussion kommt, läuft der Film „Water Makes Money“ von Leslie Franke und Herdolor Lorenz, eingeladen hat die Ökofilmtour, die zurzeit in Zehlendorf Station macht. Im Publikum: viel Strick, viel Hennarot, das Durchschnittsalter liegt jenseits der 50. Es gibt vegetarisches Schmalzbrot und Lauch-Käse-Quiche. Wahlkampf? Ist hier unnötig. Die Stimmen der meisten Anwesenden dürften Künast ohnehin sicher sein.

„Also jetzt Wasser“, sagt Künast und kneift die Augen angestrengt zusammen, „mit Wasser lässt sich Geld verdienen“. Sie wird grundsätzlich. Welches sind die zentralen Infrastrukturen einer Gesellschaft? Schnell landet sie doch wieder beim Thema Energie – der Schalter im Kopf muss erst noch ganz umgelegt werden. Aber: Wasser sei lebenswichtig. „Ohne Schiene kann ich leben, ohne Wasser nicht“, sagt sie. Deshalb sei der Film „Water Makes Money“ gut und wichtig. Eine Frau im Publikum verdreht die Augen.

Und dann wird es ungemütlich. Renate Künast muss heftige Kritik einstecken: Aus Sicht einiger Besucher – viele von ihnen Aktivisten des Berliner Wassertischs – haben die Grünen den Volksentscheid nicht genügend unterstützt. „Ihnen, Frau Künast, hat es am wenigsten zugestanden, sich am Montag nach dem gewonnenen Volksentscheid als Gewinnerin zu positionieren“, sagt ein Zuhörer – und bekommt Applaus. Das lasse sie sich nicht sagen, schießt Künast zurück: „Ich habe schon vor zehn Jahren im Abgeordnetenhaus Reden gegen die Privatisierung gehalten“, sagt sie mit Nachdruck. Sie sei an vielen Fronten aktiv gewesen, „wenn auch nicht immer an allen“. Künast redet sich in Rage, argumentiert mit Detailwissen. Jetzt ist der Schalter ganz umgelegt.

Was wird Renate Künast mit den Berliner Wasserbetrieben machen, wenn sie Regierende Bürgermeisterin ist? Sofort zurückkaufen? Die Kandidatin äußert sich zurückhaltend. Zwar sei sie grundsätzlich gegen die Privatisierung der Wasserversorgung. „Aber wir achten auch aufs Geld“, sagt sie. Woher soll Berlin das Geld nehmen? Bevor das Land die Anteile an der Wasserversorgung zurückkaufen könnte, bräuchte es ein nachhaltiges Konzept zum Umgang mit Wasser, eine schlüssige Wasserpolitik für das 21. Jahrhundert. Zudem müsse abgewartet werden, wie das Bundeskartellamt die Berliner Wasserpreise beurteile.

Eines will Renate Künast nicht, soviel wird klar: überstürzte Entscheidungen. „Es wäre bescheuert, jetzt zu ackern wie blöd, wie jemand, der es nötig hat, und so noch den Preis in die Höhe zu treiben, den wir später bezahlen müssen.“

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