Diskussion um den Berliner Breitscheidplatz : Der Brunnen bleibt, die Buden nicht

Bezirkspolitiker wollen das denkmalgeschützte Wahrzeichen am Breitscheidplatz erhalten. Doch die Verkaufsstände sollen weichen – obwohl die Gedächtniskirche die Einnahmen braucht.

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Wahrzeichen Wasserklops. Der Breitscheidplatz mit dem Weltkugelbrunnen.
Wahrzeichen Wasserklops. Der Breitscheidplatz mit dem Weltkugelbrunnen.Foto: Cay Dobberke

In die Schlagzeilen ist der Breitscheidplatz gerade durch Forderungen nach dem Abriss des Brunnens geraten. Aber man wolle „nicht immer nur über den Wasserklops reden“, brachte der CDU-Bauexperte Arne Herz die Stimmung auf den Punkt, als die BVV Charlottenburg-Wilmersdorf jetzt über den Platz diskutierte. Auch der Grünen-Politiker Roland Prejawa fand: Der „Klops-Streit“ dürfe die Diskussion um den Platz nicht dominieren.

Die Erhaltung des denkmalgeschützten Wasserklopses, der eigentlich Weltkugelbrunnen heißt, ist für CDU-Politiker ohnehin selbstverständlich. Darüber „muss gar nicht diskutiert werden“, sagte der Vorsitzende des BVV-Stadtentwicklungsausschusses, Stefan Häntsch. Er kritisierte erneut, dass Baustadtrat Marc Schulte (SPD) die Idee des Brunnenabrisses nicht gleich zurückgewiesen habe.

Schulte betonte: „Der Wasserklops ist ein Wahrzeichen von Berlin – das habe ich auch nie bestritten.“ Nicht er, sondern Geschäftsleute hätten den Brunnen am Runden Tisch zur Zukunft des Platzes in Frage gestellt. Dem Vernehmen nach kam der Vorschlag von der AG City.

Inzwischen ist klar, dass der Brunnen bleibt. Auch Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) sprach sich dafür aus. Und die SPD-Fraktion ist überwiegend seiner Meinung, wie eine erste, wenn auch nicht finale interne Beratung zeigte. Anrainer hätten beim ersten Treffen im Oktober „zum Teil fragwürdige“ Vorschläge gemacht, sagte Vize-Fraktionschefin Heike Schmitt-Schmelz.

Markthändler suchen noch Ersatzstandorte

Dazu gehörten auch Baumfällungen. Stadtrat Schulte nannte dies „völlig unangemessen“, der Platz „ist und bleibt grün“. Einig sind sich die Bezirkspolitiker darin, dass die Souvenir- und Imbissbuden rund um die Gedächtniskirche weg müssen. Wie berichtet, läuft die Duldung im Januar aus. Einige Händler wissen noch nicht, wie es für sie dann weitergeht. „Wir suchen einen Ersatzstandort, haben aber noch keinen gefunden“, sagte zum Beispiel einer der Betreiber der Chicken-Döner-Bude „Superhahn“ auf Nachfrage. Die heutigen Betreiber führen den etwa 30 alten Jahre Laden seit zwei Jahrzehnten. Erst vor kurzem hatten sie ihren Stammplatz am östlichen Ende der Kantstraße räumen müssen, weil dort das Hochhaus „Upper West“ gebaut wird.

Die Gedächtniskirche plant ein Café

Pfarrer Martin Germer von der Gedächtniskirche widerspricht Darstellungen, die Einnahmen aus der Budenvermietung hätten zur Turmsanierung beigetragen. Diese habe man allein durch Spenden finanziert. Dennoch seien die Mieteinnahmen wichtig – zur Reinigung des Vorplatzes, zur Finanzierung der zweiten Pfarrstelle und zur Deckung der „extrem hohen“ Gebäudebetriebskosten.

Außerdem habe der kleine Markt mit rund 20 Ständen dazu geführt, dass früher unlösbar erscheinende Probleme wie Drogenhandel oder das Urinieren gegen die Kirchengebäude „auf dem Weg zwangloser Kontrolle“ gelöst worden seien.

Seit Monaten verhandelt Germer mit dem Bezirk über ein öffentliches Kirchencafé, das dann auch Einnahmen bringen soll. Ursprünglich wollte die Gemeinde dieses in einem der Kirchengebäude von Egon Eiermann, dem sogenannten Foyer am westlichen Platzrand, ansiedeln. Das lehnt Stadtrat Schulte aus Denkmalschutzgründen ab und schlägt stattdessen vor, das Café auf einem kircheneigenen kleinen Parkplatz anzusiedeln.

Im Europa-Center folgt wohl Vapiano auf Mövenpick

Im Europa-Center zeichnet sich unterdessen der Nachmieter des Restaurants Mövenpick ab, das voraussichtlich im Januar schließt. Von verschiedener Seite ist zu hören, dass dafür die Restaurantkette Vapiano kurz vor dem Vertragsabschluss steht. Das deutsche Unternehmen bietet weltweit in rund 130 Filialen italienische Speisen an – so auch im Gebäude des Hotels Concorde an der Ecke Augsburger und Joachimstaler Straße. Trotz der Nähe zum Breitscheidplatz sagte eine Mitarbeiterin: „Keine Sorge, unser Standort bleibt erhalten.“

Die Anrainer rund um den Breitscheidplatz wollen sich am 2. Dezember wieder mit Bezirksvertretern treffen. Dann wird es auch um die Frage gehen, ob und wie die Zahl der Veranstaltungen reduziert wird. In diesem Jahr reichte das Spektrum vom Drehorgelfest und Ostermarkt bis zur Seniorenwoche und einer Party zur Funkausstellung. Unumstritten ist der Weihnachtsmarkt, der am Montag öffnet.

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