Diskussion um Flüchtlingshilfe : „Sie gehören zu uns“

Nach einem Diskussionsabend in Reinickendorf soll sich die Lebenssituation der Flüchtlinge im Bezirk verbessern.

Juliane Fiegler
Freizeitbeschäftigung. Flüchtlinge müssen sich in einem neuen Alltag zurechtfinden. Foto: dpa
Freizeitbeschäftigung. Flüchtlinge müssen sich in einem neuen Alltag zurechtfinden.Foto: dpa

Etwa 1 800 Flüchtlinge sind aktuell in Reinickendorf untergebracht, bis zum Jahresende steigt die Zahl voraussichtlich auf 2 500 – das macht dann ein Prozent der Reinickendorfer Bevölkerung aus. Am Dienstag trafen sich deshalb Verbände, Initiativen, Bezirkspolitiker, Kirchenvertreter, Sozialarbeiter und Bürger zu einem Diskussionsforum.

Unter dem Motto „Vom Reagieren zum Agieren“ diskutierten die Besucher unter Moderation von Gerd Appenzeller, Berater der Tagesspiegel-Chefredaktion, zunächst über allgemeine Problematiken, die sie beim Flüchtlingsthema sehen.

Die steigenden Zahlen bringen Helfer an ihre Grenzen

Die Willkommenskultur in Reinickendorf ist groß: Freie Träger, kirchliche Einrichtungen, Kinder- und Jugendsozialprojekte, Schulen und viele Ehrenamtliche, die sich in Initiativen engagieren, tragen ihren Teil dazu bei. Trotzdem entwickeln sich mit den steigenden Flüchtlingszahlen Herausforderungen. Beratungsstellen geraten oft an ihre Grenzen, die vielen ehrenamtlichen Initiativen arbeiten meist nur für sich, anstatt miteinander zu kooperieren, und die Standorte der Flüchtlingsunterkünfte sind sehr ungleichmäßig über den Bezirk verteilt: Die 1 800 Flüchtlinge sind derzeit an fünf Standorten im Bezirk untergebracht. Die vier größten – mit bis zu 902 Plätzen – liegen alle im (Süd-)Westen Reinickendorfs, der kleinste mit nur 30 Plätzen im Osten des Bezirks.

Herausforderungen, denen die Reinickendorfer entgegentreten wollen, um die Lebensbedingungen für die Flüchtlinge in ihrem Bezirk zu verbessern. Eine These Gerd Appenzellers sorgte dabei für Diskussions-Zündstoff: Es ging um die Frage, ob Menschen, die ohne schwerwiegenden Fluchtgrund nach Deutschland kämen, um hier besser zu leben, schneller abgeschoben werden sollten. Einig waren sich dagegen alle darüber, dass Flüchtlinge einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt haben sollten, legale Einwanderungswege nach Europa geschaffen werden müssten und (Teil-)Familien nicht abgeschoben werden dürften.

Die "Reinickendorfer Erklärung"

Ein Ausschnitt aus einem von Jugendlichen selbst gedrehten Film zeigte zudem deren teils perspektivlose Sicht auf ihr Leben als Flüchtling.

In vier verschiedenen Arbeitsgruppen kamen die teilnehmenden Vertreter schließlich zusammen und sprachen über die verschiedenen Herausforderungen. In einer „Reinickendorfer Erklärung“ wurden die Forderungen der Arbeitsgruppen dann als Ergebnis der Veranstaltung festgehalten: Für Ehren- und Hauptamtliche braucht es eine gemeinsame Plattform, ein Runder Tisch mit allen beteiligten Institutionen und Initiativen soll entwickelt werden. Außerdem sollen private Wohnungen in allen Bezirksteilen durch eine Kampagne für Flüchtlinge gewonnen werden.

Der Titel der Erklärung spiegelt die großen Bemühungen der Reinickendorfer Gesellschaft wider: „Reinickendorf heißt die Flüchtlinge willkommen. Sie gehören zu uns.“

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