Berlin : Dissonanzen im DDR-Funkhaus

Nun will Wirtschaftssenator Wolf das Nalepa-Gelände für Berlin kaufen

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Jahrelang schien sich in Berlin niemand für das DDR-Rundfunkhaus an der Nalepastraße zu interessieren. Doch seit das 13 Hektar große Gelände für 350 000 Euro an einen Investor aus Sachsen-Anhalt verkauft wurde, ist im Senat Hektik ausgebrochen: In einem vertraulichen Positionspapier, das dem Tagesspiegel vorliegt, fordert Wirtschaftssenator Harald Wolf die Übernahme des Geländes durch das Land Berlin, falls der Verkauf an die Bau und Praktik GmbH scheitern sollte.

Das hält Hans-Erich Gerst, der den Verkauf als Geschäftsführer des Liegenschafts- und Immobilienmanagements Sachsen-Anhalt abgewickelt hat, für „ausgeschlossen“. Der Käufer habe alle Auflagen erfüllt, Zweifel an seiner Bonität bestünden nicht. Auch dass Wolf nachträglich ein Vorkaufsrecht erwirken könnte, hält Gerst für unwahrscheinlich. Das Rundfunkgelände werfe seit geraumer Zeit Verluste ab, weshalb sich die gemeinsamen Eigner, die neuen Bundesländer, geschlossen zum Verkauf entschieden hätten. Auch das Land Berlin, das acht Prozent an dem Gelände hielt, habe eine Vollmacht erteilt. Dass Wolf nun Druck mache, findet Gerst „unverständlich“. Man habe Berlin mehrfach aufgefordert, Konzepte zur Übernahme des Rundfunkhauses vorzulegen, „aber da kam nichts.“

Wolfs Sprecher Christoph Lang dagegen versichert, man habe sich bereits seit geraumer Zeit um die Nalepa-Studios bemüht, bislang jedoch sei die Übernahme an der klammen Finanzlage gescheitert. Der überraschende Eignerwechsel hatte bei allen Berliner Fraktionen für Befremdung gesorgt. Die medienpolitischen Sprecher der SPD- und der PDS-Fraktionen forderten gegenüber dem Tagesspiegel, die „medienbezogene Nutzung“ des Funkhauses müsse sichergestellt werden. Ob der Käufer dies könne und wolle, sei fraglich. Auch Wolfs Sprecher Lang hält „Skepsis für angebracht“.

Die Bau und Praktik GmbH, ein Baumaschinenverleih aus Sachsen-Anhalt, ist bislang nicht in der Medienbranche in Erscheinung getreten. Wolf Hartmann von „GoEast Investment“, den das Unternehmen mit der Projektentwicklung beauftragt hat, versichert jedoch, das Funkgelände solle ein Medienstandort bleiben. Er strebe gemeinsam mit internationalen Investoren den Ausbau des Geländes zur „Musical Entertainment and Media City“ an. Für morgen sei ein Treffen mit dem Berliner Wirtschaftssenat angesetzt, bei dem die Bau und Praktik GmbH ein detailliertes Entwicklungskonzept vorlegen wolle, so Hartmann. müh

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