DJane Clärchen im Interview : "Bei uns ist eigentlich immer Silvester"

Berlins ältestes Tanzlokal Clärchens Ballhaus veranstaltet wie jedes Jahr eine große Feier am 31. Dezember. Wie verbringen die DJs die Nacht? Und was ist anders an einem Ort, an dem das ganze Jahr über Party ist? Heide Rabe, alias DJane Clärchen, im Gespräch.

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Djane Clärchen, die Resident DJane in Clärchens Ballhaus
Djane Clärchen, die Resident DJane in Clärchens BallhausFoto: privat

Heide Rabe, alias DJane Clärchen, ist Resident in Clärchens Ballhaus. Dieses Jahr legt sie wieder auf der Silvesterparty in Berlins ältestem Tanzlokal auf.

Wie lange sind Sie schon dabei?
Seit einem Jahrzehnt: Das wird also meine zehnte Silvesterparty.

Was hat sich in den vergangenen zehn Jahren geändert?
Wir sind weg von peinlichen Schlagern, hin zu guten oder besseren. Man muss natürlich auch immer auf die Gäste reagieren und wenn etwas mir persönlich nicht so gefällt, die Leute aber abgehen, dann spiele ich das.

Spielen Sie oft Musik, die Sie privat auch hören würden?
Wenig. Ich höre am liebsten Hip-Hop und gerne auch David Bowie, aber das ist für den Job eher irrelevant. Ich lege auf, was die Leute zum Tanzen bringt. Ich schätze, dass ich mir rund 30 Prozent der Musik, die ich spiele, auch privat anhöre.

Wer kommt zu Partys im Ballhaus?
Wir haben Gäste von 18 bis 85, das ist ganz gemischt. Viele unserer Gäste können auch Standardtanzen und kommen deshalb zu uns – auch dafür wird entsprechend aufgelegt.

Was wird das Besondere an der Silvesterparty?
Bei uns ist ja eigentlich immer Silvester. Aber am 31. Dezember ist natürlich alles etwas feierlicher, schicker. Die Leute ziehen sich festlicher an, es gibt ein ausgiebiges Abendessen. Dazu kommt noch eine gute Prise Standardtanz und seit langem mal wieder Livemusik von der Ballhaus Band. Alles in allem etwas gediegener als die Hau-Drauf-Silvesterfeiern an anderen Orten der Stadt. Mitternacht muss natürlich Walzer laufen, sonst sind die Leute unglücklich.

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Und Sie sorgen die gesamte Nacht für Musik?
Im Spiegelsaal spielt ein Kollege von mir, Funky Henning, im großen Ballsaal mache ich das allein. Bis um 5 oder 6 Uhr. Ich ziehe durch!

Silvester sind auch viele Touristen in Berlin. Ändert sich deshalb bei Ihnen etwas?
Naja, je nachdem, wie viele Touristen da sind, kann man die deutschen Sachen weglassen. Als Udo Jürgens gestorben ist, haben wir natürlich noch mehr von ihm gespielt. Touristen aus nicht deutschsprachigen Ländern haben dazu natürlich keine Verbindung. Wenn ich Peter Fox oder Seeed spiele, tanzen die dann schon mal mit, aber jubeln nicht so wie die Deutschen.

Kommen mehr Touristen als früher?
Ja, es scheint sich rumgesprochen zu haben, dass es bei uns witzig ist. Letztes Jahr waren vor allem Schweden und Engländer da. Auffällig ist, dass einige schon im Voraus große Tische gebucht haben. Ich weiß aber nicht, ob wir in irgendeinem Guide stehen oder so. Ich glaube, die meisten kommen eher zufällig bei uns vorbei, essen was und bleiben dann, weil sie es gut finden. Alles in allem schätze ich, dass rund 20 Prozent der Gäste zu Silvester nicht aus Deutschland sind.

Woran merken Sie das?
Zum einen hört man ja die Leute. Wenn die sich laut zurufen oder zuprosten. Und sonst wissen das natürlich die Kellner. Es kommt auch vor, dass Gäste ihre Musikwünsche beim Kellner äußern. Der sagt mir das dann weiter. Interessant ist, dass Menschen, die zu Besuch sind, sich häufiger was wünschen als die Berliner. Die sind da schüchtern. Im Laufe des Abends legt sich das aber auch. Hängt wohl auch mit dem Alkoholpegel zusammen.

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