DLRG in Berlin-Spandau : Rutschen und retten

Die DLRG hat am Sonntag trainiert, wie man Menschen birgt, die ins Eis eingebrochen sind. Was ist zu tun in der Gefahrensituation? Ein Ortstermin.

Lotta-Clara Löwener
Gerade noch gerettet. Eingepackt in Überlebensanzüge demonstrieren Freiwillige der DLRG eine Rettung aus dem Eis.
Gerade noch gerettet. Eingepackt in Überlebensanzüge demonstrieren Freiwillige der DLRG eine Rettung aus dem Eis.Foto: Paul Zinken/dpa

Lennart Ritz spielt im blauen Überlebensanzug das Opfer. Er tastet sich nach vorne, bis die Schollen unter ihm nachgeben und er mit einem Plumps im Wasser landet. „Vergiss nicht, die Arme breit zu machen!“, ruft ihm Michael Neiße zu. „Das ist wichtig. Damit hältst Du Dich oben und bleibst mit dem Kopf über Wasser.“

Das Ganze ist nur eine Übung – gottseidank. Denn wenn es beim winterlichen Schlittschuhvergnügen knackt und sich Risse unter den Kufen bilden, ist es meist schon zu spät. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) führte am Sonntagmorgen an der Scharfen Lanke in Spandau vor, wie Menschen aus dem Eis gerettet werden können. Bei vier Grad Außentemperatur wagten sich die Freiwilligen auf die angetaute Eisoberfläche.

Es herrscht immer Lebensgefahr

Bei der Übung soll sich Lennart Ritz zunächst selber retten. Er stößt sich vom Boden ab und versucht, oberhalb der Eisfläche Halt zu bekommen. Das klappt. Langsam robbt er vorwärts. Flach auf dem Boden soll man in solch einem Fall das Gewicht verteilen. Doch schon nach zwei, drei Minuten im eiskalten Wasser kann sich ein Mensch nicht mehr allein retten. Er ist dann vor Kälte unbeweglich. „Wenn Personen ins Eis einbrechen, herrscht immer Lebensgefahr“, sagt Michael Neiße, stellvertretender Landeseinsatzleiter. Und er macht klar: Wer sich auf gefrorenes Wasser wagt, tut dies stets auf eigene Verantwortung.

Die Lebensretter von der DLRG
Stets im Einsatz: die DLRG.Weitere Bilder anzeigen
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17.10.2013 11:18Stets im Einsatz: die DLRG.

Für alle Spaziergänger und Schlittschuhläufer gilt: Das Eis sollte mindestens 15 Zentimeter dick sein und es sollten schon wochenlang Temperaturen unter Null geherrscht haben. Auch Strömungen seien nie einschätzbar, deshalb: nur das Eis stehender Gewässer testen. Macht die Eisdecke den Eindruck als würde sie nachgeben, am besten den Weg zurück nehmen, auf dem man gekommen ist. Ist es dafür schon zu spät, den Notruf wählen oder anrufen lassen.

Die DLRG macht's vor: So wird gerettet!

Das Rettungsteam sieht meist auch nur Chancen, wenn der Eingebrochene nicht allzu fern vom Ufer ist, denn dann können die Helfer zu ihm hin robben und dabei Hilfsmittel wie ein Spineboard, eine Unterlage aus Hartplastik, verwenden. Alles, was flach ist und die Last verlagert, tut es aber auch, etwa große Bretter oder Schlitten.

Manchmal ist der Einsatz von Tauchern nötig. Auch das wird beim Training in Spandau geübt. Mit Mikrofon und Kopfhörern in der Tauchermaske ausgestattet, schwimmt DLRG-Mitglied Jochen Lehmann los. Anweisungen erhält er vom Ufer aus. 30 Zentimeter dicke Eisschollen muss er beiseiteschieben, um das „Opfer“ – wieder Lennart Ritz – zu bergen. Der friert noch immer nicht. Alle Freiwilligen tragen während der Übung Anzüge, die sie absolut trocken und warm halten.

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