Berlin : Dönerläden in der Dosenkrise

In kleinen Geschäften will kaum noch jemand Bier, Cola oder Limonade kaufen. Die Händler sprechen von einer Katastrophe. Doch auch die vier Pfand-Kontrolleure des Senats sind verärgert – sie warten dringend auf Unterstützung.

Thomas Loy

„Alle Leute sind böse“, sagt Suleyman Sever. Böse auf das Dosenpfand. In seinem kleinen Döner-Imbiss am Weddinger Nettelbeckplatz steht die bunte Weißblechfraktion hübsch aufgereiht auf einem Regal und selten tut sich eine Lücke auf. Früher verkaufte er 20 Dosen am Tag, jetzt seien es nur noch fünf oder sechs. Wer zugreift, zahlt 25 Cent extra und erhält von Sever ein abgestempeltes Eintrittsticket. Damit kann er das Pfand wieder eintauschen.

Das Pflichtpfand auf Einwegverpackungen ist sechs Wochen nach der Einführung an der Basis angekommen. Die meisten Dönerbuden- und Kioskbetreiber kassieren inzwischen – wenn auch sehr widerstrebend – das Pfand von ihren Kunden. Einige Imbissbetreiber hätten sich über säumige Konkurrenz beschwert, sagt Pfand-Kontrolleur Peer Hannemann von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Diesen Hinweisen sei man sofort nachgegangen. Bislang wurden fünf Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Dabei handele es sich aber nicht um bewusste Verstöße, sondern eher um „Missverständnisse“, sagt Hannemann.

Dabei plagen die Kontrolleure immer noch akute Personalsorgen. 20 Leute sollten sie eigentlich sein, vier sind es bis jetzt. Peter Krüger-Pammin, Hannemanns Chef, kann auch nur mit den Achseln zucken. Personal aus dem „Überhang“ sollte längst da sein, aber „die Verteilung hat noch nicht stattgefunden“. Bis jetzt haben die Kontrolleure 50 Stichproben gemacht. 7000 Verkaufsstellen gibt es in der Stadt.

In allen Läden ist der Absatz an Bier- und Coladosen unter der Last des Pfandes schwer eingebrochen. „Katastrophal“, sei das, sagt Kioskbetreiber Hilmi Mede aus der Neuköllner Kirchhofstraße. Nach dem „Teuro“ nun noch das Pflichtpfand. Er habe langsam „keinen Bock“ mehr und werde den Laden wohl bald dicht machen. Die Kinder kauften nur noch Capri-Sonne-Päckchen, die erwachsene Laufkundschaft rümpfe beim Reizwort Pfand die Nase und verzichte lieber auf die Bierdose zum Mitnehmen.

Auch Herr Turan vom Lesset-Imbiss an der Weddinger Müllerstraße bleibt auf seinen Dosen sitzen und sieht seine Existenz bedroht. Im Asia-Imbiss an der Luxemburger Straße hatte man bis vor drei Tagen das Dosenpfand erfolgreich verdrängt. Dann aber kamen die freundlichen Kontrolleure vom Senat und Duong Thi Hong Thai, die immer Lächelnde, versprach, im nächsten Monat damit anzufangen.

Die alte Frau aus dem stark renovierungsbedürftigen Imbissladen in der Maxstraße möchte ihren Kunden das Zwangspfand nicht zumuten. „Du musst kein Pfand zahlen. Ich habe auch nicht bezahlt.“ Die Dose Fanta kostet bei ihr trotzdem stolze 90 Cent. Gegenüber im Zeitungsladen ist Ähnliches für 60 Cent zu haben, allerdings plus Pfand. Pächter Durak ist froh, dass er zumindest die leeren Dosen ohne Aufpreis los wird. Die Metro AG nimmt die Dosen und Einwegflaschen von ihren gewerblichen Kunden, den so genannten „Wiederverkäufern“, unentgeltlich zurück.

Die Supermarktketten klagen weitaus moderater, aber zu Umsatzeinbußen ist es auch hier gekommen. „Wir spüren das schon“, sagt Krämer, Sprecher der Rewe-Gruppe, zu der Penny und Minimal gehören. Die Reichelt AG rechnet mit Einbußen beim Einweg von rund 50 Prozent. Auf welchem Niveau sich der Absatz stabilisieren werde, sei allerdings noch ungewiss, sagt Reichelt-Sprecher Hans-Ulrich Schlender. „Es gibt immer noch den typischen Dosenkunden.“ Viele Käufer hätten sich mit dem Pfand inzwischen doch arrangiert. Beeindruckend seien auch die Mengen an zurückgebrachten Dosen und Einwegflaschen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben