Berlin : Doktor Langes Leidenschaft

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Wenn Carsten Lange vor ein paar Jahren auf Anhieb die passenden Möbel gefunden hätte, wäre seine Zukunft sicher anders verlaufen. Dann arbeitete der Chirurg zwar nach wie vor in seiner Hausarztpraxis, doch seine zweite Leidenschaft wäre auf der Strecke geblieben. Inzwischen macht er beides: Er kümmert sich um seine Patienten und betreibt nebenbei ein Möbelgeschäft. Bei "Wohnstil Dr. Lange" in Köpenick gibt es italienische Designermöbel, neue Stücke nach alten Mustern. Kommoden, Sekretäre, Apothekenschränke, Tische und Stühle stehen dicht nebeneinander. Daneben lassen Spiegel den Raum größer erscheinen, es hängen Uhren an den Wänden und überall stehen Büsten. Carsten Lange kann zu jedem Stück etwas erzählen. Schließlich sucht er die Möbel in Italien aus und hat mittlerweile viel über dieses alte Handwerk erfahren. Um beispielsweise einem Stuhl eine ordentliche Oberfläche zu verleihen, sind zwölf Arbeitsgänge nötig, erklärt er. "Aber danach können die auch etwas ab, gehen nicht gleich bei jedem Ruck kaputt."

So einen Anstoß brauchte der 45-Jährige auch erst, bevor er vor sieben Jahren sein erstes eigenes Geschäft eröffnete. Als er nämlich nach der erfolglosen Möbelsuche in Deutschland gemeinsam mit seiner Frau nach Italien reiste, wollte er direkt beim Hersteller Schränke erwerben. Aber er erfuhr, dass diese nur an Händler abgegeben werden. Irgendwie ist er dann doch zu seinen ersten privaten Antikmöbeln gekommen. Als Freunde und Bekannte "total begeistert" von den neuen Anschaffungen waren, kam ihm das erste Mal ernsthaft die Idee, aus seiner Leidenschaft mehr als nur ein Hobby zu machen. Aus heutiger Sicht, sagt Carsten Lange, sei es verrückt und irgendwie blauäugig gewesen, so schnell ein Geschäft zu eröffnen. Denn kaufmännische Fähigkeiten gehörten nicht zur Chirurgenausbildung. Und ein guter Geschmack und viel Engagement sichern noch lange nicht den Erfolg. Lange musste viel lernen - und das alles, ohne seine, wie er sagt, gut gehende Praxis, zu vernachlässigen.

Mittlerweile führen seine Mitarbeiter das Geschäft fast allein. Ab 16. November auch noch in einem zweiten Laden, in Potsdam. Lange kümmert sich vor allem um den Einkauf. Drei bis vier Mal jährlich fährt er nach Italien und sucht nur solche Stücke aus, die er sich selbst in die Wohnung stellen würde. Der Laden vermittelt einen kleinen Eindruck, wie es bei ihm daheim aussieht: Denn das breite Bett und der antik gearbeitete "Michelangelo-Schrank" sind auch bei Familie Lange in Wendenschloß zu finden. Manchmal sprechen ihn Patienten auf seine Möbelleidenschaft an, erzählt er. Aber das sei ihm unangenehm und deshalb wechsle er schnell das Thema. Er will diese Dinge nicht miteinander vermischen. Der einzige Ort im Leben des Dr. Lange, an dem italienische Designermöbel fehlen, ist seine Arztpraxis. "Die Möbel dort sind noch von der Stange", sagt er. Aber irgendwann fliegen sie wahrscheinlich auch raus.

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